Geschlossene 2x12er - Jensen Tornado + ...?

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Geschlossene 2x12er - Jensen Tornado + ...?

Beitragvon inselwissen » Mittwoch 22. November 2017, 15:01

Hallo liebe Gitarrenbudler! Ich bin neu hier und bräuchte mal Input in Sachen Speakerwahl.

Seit einigen Wochen bin ich im Besitz einer PCL Vintage-Amp 2x12er. Eine ziemlich interessante Box ist das: Sehr leicht, geschlossen und gekammert, mit zwei kleinen Bassreflex-Ports neben jedem der Speaker.

Ab Werk waren da zwei Jensen CH/12-70 drin, die der Rest der Welt “Mod 12-70” nennt. Die Dinger konnte ich leider noch nie wirklich leiden: Sehr höhenbetont, kaum warme Tiefmitten, kaum Bass. Mit ein paar Korrekturen am EQ ist das natürlich zu bändigen, der helle, mitten-arme Charakter der Jensens kommt aber immer durch.

Die müssen also weg.

In der Band habe ich lange eine Jet City 2x12er mit Flexback gespielt. Die Box war immer halb-offen und ist mit einem Celestion G12H-100 und einem Classic Lead 80 bestückt. Das hat mir klanglich ganz gut gefallen, auch wenn ich hin und wieder auf Bandpegel etwas Kompression vermisst habe. Das sind zwei sehr “stabile”, eher neutrale Lautsprecher, die keine Frequenz überbetonen und sehr schnell ansprechen.

Die Jet City ist mit den dicken Celestions für eine Zwei-Zwölfer echt schwer und dank des einsamen Plastikgriffs auf der Oberseite auch unhandlich wie Sau. Die PCL-Box habe ich mir überhaupt erst gekauft, um diesen Missstand zu beheben.

Natürlich könnte ich die Celestions einfach in die PCL schrauben, dann hätte sich das Projekt “leichte Box” aber auch schon wieder erledigt. Wenn ich mich nicht verrechnet habe, wäre das ein Zuwachs von knapp 5 Kilogramm. Mit den Jensens wiegt die PCL 18 kg, ich würde gern unter 20 bleiben.

Was würdet ihr machen? Musikrichtung ist lauter, “angepunkter” Indierock, ich bin der einzige Gitarrist und spiele Crunch bis Fuzz mit einer Tele. Der “Hauptsound” ist wohl mittelschwer verzerrte Rhythmusgitarre.

Mein Amp ist im Moment ein alter, irre lauter Acoustic 270. Ich lasse aber vor Weihnachten noch einen PCL VA1956 (Boogie-inspiriert) aufmöbeln, der gerade leicht defekt in meinem Schrank liegt. Die Verzerrung kommt generell aus diversen Pedalen.

Ich fand, wie gesagt, den Sound mit der Kombination G12H-100 und Classic Lead wirklich gut, es war aber von allem sehr “viel” da und es hat manchmal, besonders im ganz leichten Crunch, etwas zu sehr gepeitscht. Gerade im Hinblick auf den Boogie-esken VA1956 würde ich den Sound gern mehr in Richtung Fender kippen, dabei aber die Durchsetzungsfähigkeit nicht völlig einbüßen. Ein bisschen britischer “Knack” muss sein.

In meiner Wohnzimmerbox fristet gerade noch ein Jensen Neo Tornado sein Dasein. Der wäre natürlich eine logische Wahl für die PCL. Aber womit kombiniere ich den dann? Auf Zimmerlautstärke kenne ich den Tornado als warmen, vollen Speaker mit feinen Höhen. Hat jemand Erfahrung damit, wie sich zwei Tornados im Bandgefüge durchsetzen? Ich habe hier schon häufiger Loblieder auf die Kombination Neo/Neo Tornado gelesen, ist da was dran?

Im Zweifelsfall taugt mir auch ein Nicht-Neo, wenn es denn kein 6 Kilo schwerer Eminence ist.
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Re: Geschlossene 2x12er - Jensen Tornado + ...?

Beitragvon Magman » Mittwoch 22. November 2017, 15:29

Willkommen hier in unserem schönen Forum :prost:

Ne sehr gute 212er haste dir da an Land gezogen. Gekammerte Boxen eignen sich besonders für kraftvolle Mucke. Ich kenne diese PCL und hab sie auch schon hören können mit zwei Jensen Neos. Also nicht die Tornados, die weitaus mehr Bässe haben. Es könnte gut sein, dass sie zu viele Bässe haben für die 212er, aber die Mischbestückung Neo/Tornado könnte gut passen. Probieren geht eh über studieren. Ich würde sie jedenfalls mit den Jensen Neo ausstatten. Mithin einer der besten Speaker auf dem Markt, auch für dein musikalisches Vorhaben ;)
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Re: Geschlossene 2x12er - Jensen Tornado + ...?

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 22. November 2017, 20:15

Hallo lieber inselwissen,

auch von mir ein herzliches Willkommen "inne Bude"! :prost:

Wir würden uns freuen, wenn Du Zeit wie Lust finden würdest, hier viewtopic.php?f=26&t=39 ein wenig von Dir zu erzählen.

Auf eine schöne gemeinsame Zeit,

Batz. :thumbsup03:
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Re: Geschlossene 2x12er - Jensen Tornado + ...?

Beitragvon inselwissen » Mittwoch 22. November 2017, 20:32

Magman hat geschrieben:Willkommen hier in unserem schönen Forum :prost:

Ne sehr gute 212er haste dir da an Land gezogen. Gekammerte Boxen eignen sich besonders für kraftvolle Mucke. Ich kenne diese PCL und hab sie auch schon hören können mit zwei Jensen Neos. Also nicht die Tornados, die weitaus mehr Bässe haben. Es könnte gut sein, dass sie zu viele Bässe haben für die 212er, aber die Mischbestückung Neo/Tornado könnte gut passen. Probieren geht eh über studieren. Ich würde sie jedenfalls mit den Jensen Neo ausstatten. Mithin einer der besten Speaker auf dem Markt, auch für dein musikalisches Vorhaben ;)
Hey Magman, danke für den Post! Dein Speakertest-Thread hat mich überhaupt erst bewogen, mich hier anzumelden. Den fand ich irre informativ. Vor allem die Soundbeschreibungen waren für mich sehr nachvollziehbar.

Die Bässe des Tornados machen mir auch Bedenken, zumal die PCL-Box durch ihre Bauweise noch ein Quäntchen mehr Bass herausholt. In offenen Boxen saufen die Jensen CH/12-70 meiner Erfahrung nach ziemlich ab, was die Basswiedergabe angeht. In der PCL höre ich das so nicht. Dafür stört mich das Tiefmittenloch umso mehr.

Ich werde auf jeden Fall bald mal im Proberaum einen längeren Test durchführen und mit gespitzten Ohren vergleichen. Vor Ort habe ich neben meinen Celestions und dem Jensen Tornado noch zwei V30 aus England und einen Eminence V12 zur Verfügung.

Einen Jensen Neo 12/100 mit dabei zu haben, wäre sicher eine gute Idee. Ich hatte sonst für meinen Shootout noch an den Celestion V-Type oder den Century Vintage gedacht. Die sind ja beide nicht allzu schwer und passen auch vom Wirkungsgrad her zum Tornado. Hat jemand sonst noch eine Idee? Wie gesagt: Doppelt Neodym muss nicht unbedingt sein!

Hat zufällig noch jemand hier einen der genannten Lautsprecher in 8 Ohm zu verkaufen? Man kann's ja mal probieren. :)

Batz Benzer hat geschrieben:Hallo lieber inselwissen,

auch von mir ein herzliches Willkommen "inne Bude"! :prost:

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Re: Geschlossene 2x12er - Jensen Tornado + ...?

Beitragvon Magman » Mittwoch 22. November 2017, 20:44

Danke erst mal des Lobes :prost:

Ich spiele ja selbst auch nen Century Vintage in der big 112er PCL. Gegenüber einem Jensen Neo hat er mehr Mitten. Hatte auch beide mal in einer 212er, einer H&K Statesman Box. Ja, das war ne sehr gute Mischung, die Speaker haben sich in etwa so gut ergänzt, wie es ein Greenback zusammen mit einem V30 tut. Der Neo macht den friedlichen Riesenschnauzer und der Century ist eher der Bulldogge unter den Lautsprechern. Der geht überall durch, hat viele Anleihen an den geliebten und gehassten V30 :P

Un, die Centurys sind heftig aufgeschlagen. Sie wurden anfangs öfters mal günstig wieder verkauft, weil sie falsch eingespielt wurden und Anfangs fürchterlich quäkig klingen. Aber dann! Ist echt gravierend bei diesem Speaker, der braucht wirklich was heftig auf die Mütze.

Du kannst natürlich auch mal einen V30 mit einem Neo paaren,das passt auch sehr gut. Im Endeffekt entscheidet eh dein Geschmack. Aber immer so testen wie man später spielt was die Lautstärke betrifft. Diese Box braucht definitiv Druck um sich entfalten zu können. Für leise Zimmersessions ist das nix. Aber das weist du ja sicherlich selbst ;)
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Re: Geschlossene 2x12er - Jensen Tornado + ...?

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 22. November 2017, 20:50

inselwissen hat geschrieben:Und danke auch an dich! Mache ich bald mal, wenn ich die Zeit finde. Fürchte nur, dass ich hier als Mittzwanziger etwas aus dem Rahmen falle.


Das kann dem Board nur gut tun: Neue Blickwinkel sind uns hochwillkommen! :thumbsup03:
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Re: Geschlossene 2x12er - Jensen Tornado + ...?

Beitragvon inselwissen » Freitag 24. November 2017, 10:23

Kurzer Zwischenstand: Gestern vor der Probe wollte ich zumindest schon einmal die Celestions in der PCL-Box probieren. Hier kamen dann die ersten Probleme auf, denn PCL setzt nicht nur auf Achtloch-Verschraubung, sondern nutzt dafür auch ziemlich kleine Schrauben.

Meine alten Celestions mit ihren vier krummen, geweiteten Befestigungslöchern wollten darum nicht so wirklich halten. Ich könnte die jetzt natürlich irgendwie zurecht klopfen, eigentlich wollte ich aber eh weg von den Dingern.

Die CH/12-70 gefallen mir immer besser, ich gewöhne mich wahrscheinlich langsam an den Klang. Brillanz und Schub sind da und so eine präzise Saitentrennung hatte ich bisher auch noch nicht. Das kommt mir entgegen, weil ich viel verzerrte Rhythmusgitarre mit sperrangelweit offenen Akkorden spiele.

Ich bin jetzt auf dem Trip, dass ich vielleicht doch den Tornado in meiner offenen Haus-und-Hof-1x12er lasse (in der er sehr, sehr gut klingt!) und stattdessen nur einen der CH/12-70 ersetze. Der Chicago wäre in diesem Szenario zuständig für Brillanz und Auflösung, sein Partner würde die etwas dünnen Mitten ausfüllen und für mehr Wärme sorgen. Bass ist in der PCL so oder so genug vorhanden.

Ich hatte für diese Aufgabe jetzt den Creamback M65 ins Auge gefasst. Die Soundbeschreibungen erscheinen mir vielversprechend, der Wirkungsgrad passt gut (97 dB gegen die 97,5 dB des Jensen), wäre das was?

Ein bisschen Schiss macht mir bei diesem Plan noch die Mikrofonierung im Live-Betrieb. Auf welchen der beiden Lautsprecher deute ich, wenn der Tonmensch mit dem Mikrofon anrückt?

Vorsicht, Mutmaßungen: Mit dem Jensen hätte ich die Klarheit, aber im FOH-Mix ein kleines Mittenloch und Frequenz-Stress mit den Becken. Der potenzielle warme Speaker hätte die nötigen Mitten, aber auch nicht diese Transparenz. Ein Typ, der unbedingt zwei Mikrofone für "seinen Sound" braucht, will ich nur ungern sein. Wie macht ihr Leute das, wenn ihr so ganz unterschiedliche Lautsprecher mischt? Mit den Celestions war das nie ein Problem, die unterscheiden sich nur in Nuancen.
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Re: Geschlossene 2x12er - Jensen Tornado + ...?

Beitragvon Magman » Freitag 24. November 2017, 10:55

inselwissen hat geschrieben:Wie macht ihr Leute das, wenn ihr so ganz unterschiedliche Lautsprecher mischt? Mit den Celestions war das nie ein Problem, die unterscheiden sich nur in Nuancen.


Moin,

also in dr Zeit als ich noch gemischte Boxen betrieben hatte in Form von V30 und Greenback, nahm ich immer den V30 ab, gerade wegen den schönen *Mitten. Das ist ja auch das, was eine Gitarre im Bandsound durchdringen lässt, gerade wenn man mit Keyboard, oder Bläsersatz zusammenspielt. Aber Vorsicht ist geboten bei einem V30 mit SM57. Da sind manchmal Millimeter entscheidend ob geil, oder gräääääätz :P

Wenn du völlig unproblematisch arbeiten möchtest, dann nimm eine gute DI-Box, wie zB die RedBox 5. Dann hast du halt immer den gleichen (guten) Sound. So mache ich das im Moment auch (wieder) und erfreue mich eines guten Sounds.

*Teste mal deine Box indem du etwas intensiver mit der Mittenreglung deines Amps spielst. Jürgen Rath hat nicht umsonst genau diese CH/12-70 Speaker empfohlen für lauten rauen Rock. Wenn die gut eingespielt sind klingen die doch klasse, vor allem wenn sie in Gesellschaft ihresgleichen sind.
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Re: Geschlossene 2x12er - Jensen Tornado + ...?

Beitragvon inselwissen » Freitag 24. November 2017, 13:17

Meinen Gitarrensound habe ich nach dem Boxenwechsel natürlich direkt auf den Bandmix abgestimmt. Den Mittenregler musste ich ein ganzes Stück weiter aufdrehen, Bässe habe ich zurückgenommen. Bei der Probe regele ich auch gerne und oft nach, bis mir der Sound im Mix passt. Ich habe darum mittlerweile ein ganz gutes Verständnis von den Stärken & Schwächen der CH/12-70 in dieser Box, glaube ich.

Was wir mit der Band machen ist auch nicht wirklich “harter Rock”, das ist schon dynamischer. Es geht oft auch in den leicht verzerrten Bereich und dann hätte ich es gern etwas kehliger und fetter. Darum die Idee mit dem Creamback.

Was das Mikrofonieren angeht: Ein V30 wäre für mich auch immer die logische Wahl in einem Zweierpack, der macht es dem Tonmenschen ja generell leicht, für die Gitarre den richtigen Platz im Mix zu finden. Mir ging es explizit um das Szenario 12-70/Creamback, aber da stellt man nach dieser Logik das Mikrofon wohl auch eher vor den 12-70...

Hast du Erfahrung mit dem G12M-65 Creamback, Magman?
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Re: Geschlossene 2x12er - Jensen Tornado + ...?

Beitragvon tommy » Freitag 24. November 2017, 13:40

Moin,

ich benutze den Creamback in meinem 1x12" Selbstbau Bluesbreaker.
Ein wunderbarer Speaker, aber definitiv nicht "kehlig"!

Er kommt einem G12M 25 Greenback schon recht nahe. Ausgeglichene Höhen ohne Spitzen, ausgeglichener Bass, etwas strammer als beim Greenie und wunderbar präsente, harmonische Mitten (Paradedisziplin des Greenies), nicht ganz so ausgeprägt wie beim Greenback aber immer noch schön present.
Ich würde den G12M-65 als sehr ausgeglichenen Speaker mit eindeutig alten Marshall Genen bezeichnen. Brauchst Du mehr Biss und Durchsetzungsfähigkeit, würde ich mir auch mal den G12M-75 anhören. Seine Ausrichtung geht allerdings etwas auf Kosten der wunderbar präsenten, warmen Mitten, die einen echten Greenback auszeichnen.

Als Greenback Fanboy ist der G12M-65 für mich das ideale Pendant für leistungsintensivere Anwendungen!
LG Tommy


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