Der Amp - mein bester Freund

Amps, Boxen, Speaker & Co.

Re: Der Amp - mein bester Freund

Beitragvon Paulasyl » Donnerstag 28. Dezember 2017, 19:38

Ich hänge sehr an meinem Marshall 4140, den ich 1990 gebraucht gekauft habe. Ein wirklich robuster Panzer, dem man außer Highgain alles entlocken kann, der aber auch fast einen Zentner wiegt. Mich überzeugt vor allem auch der Federhall, der wirklich dezent perlt und nicht auffällt, bis man ihn ausschaltet. Ich habe ihn damals statt eines JCM 800 2203 eingesetzt, weil der einfach immer zu laut war. Er hat in der Zeit einmal komplett neue Röhren bekommen, die waren einfach fertig und zum Teil sehr mikrofonisch geworden. Live wird er nur noch selten aufgefahren, ich gönne ihm das Gnadenbrot, aber er hat mich niemals hängenlassen und würde wohl auch jetzt noch ordentlich was wegstecken. Wer ihn aber mal hören will, so klingt er im Homerecording: http://rock.klabusterbeere.nl/RnR.mp3

Ich persönlich freue mich inzwischen wieder an den dicken Stacks, Röhrentops auf 4x12, gerne auch mal mehrere...Aber nur noch im Proberaum, denn sowohl die Schlepperei wird nicht einfacher als auch das Publikum immer mehr allergisch gegen Rock mit Dezibel. Und dann gibt es noch die ewige Herausforderung, mit jedem Equipment brauchbar zu klingen, die ja irgendwie viel kleiner ist als früher, wo man irgendwie einen untracleanen FAL an's Tönen kriegen musste. Gott sei Dank können Marshalls heutzutage auch leise, mit den Silver Jubilee Combo würde ich jederzeit live antreten.
Zuletzt geändert von Paulasyl am Donnerstag 28. Dezember 2017, 23:12, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Der Amp - mein bester Freund

Beitragvon tommy » Donnerstag 28. Dezember 2017, 19:43

Schönes Thema, danke!

Auch wenn ich Gefahr laufe, olle Kamellen, die ich hier schonmal zum Besten gegeben habe, wieder aufzuwärmen....hier meine Geschichte ;) :

Als Späteinsteiger (Anfang 1990) und entsprechend Ahnungsloser, fing ich an, alles Mögliche an Amps auszuprobieren.
Den absoluten Anfang machte in Ermangelung von Kohle ein ausrangierter, leicht modifizierter Tonverstärker eines Siemens 16mm Projektors mitsamt der dazugehörigen 15" Vorführ Klappbox. Pures Röhren Vintage.......nach kurzer Zeit abgeraucht.
Danach Dynacord Eminent II mit 70er Jahre 15" PA Box (ist aktuell bei meiner Frau noch als Bassbox in Betrieb). Pures Röhren Vintage.........nach relativ kurzer Zeit abgeraucht.
Es folgte mein einziger Transistoramp, ein Fender Frontman 25........kacke Sound.
Nun wieder Röhren: Blues Junior, Hughes&Kettner Edition Tube (guter Sound aber Klapperkiste), Mesa Boogie Dual Caliber DC 3 (geil aber in der damaligen Bandsituation viel zu laut), erneut Blues Junior, Fender 82er Rivera Superchamp mit EV Force 10" (hier ärgere ich mich immer noch, dass ich ihn verkauft habe!), Hughes&Kettner Statesman Quad 84, und aktuell 1x12" Selbstbau Bluesbreaker.
Nach dem Mesa Boogie waren alle aufgezählten Combos Zweitamps für schnell mal unterwegs.
Den geilen aber irgendwie zu heftigen Mesa hatte ich so gegen 1998....und hier beginnt eigentlich erst die Geschichte meines treuen Gefährten:
Während der Boogie Zeit tat ich mich das erste mal um, meinen Traumamp zu erwerben. Viele Wochen zog ich durch hamburger Gitarrenläden und hörte mir einen Haufen Amps an. In dieser Phase nahm ich bei einer Rockpalast Sendung eine Band (weiß leider nicht mehr, welche) wahr, deren Gitarrist einen Marshall Bluesbreaker spielte. Er zelebrierte einen dermaßen begnadeten Ton, dass mir schlagartig bewusst wurde, der muss her (der Combo, nicht der Gitarrist.....obwohl Letzteres für unsere Band wohl die bessere Alternative gewesen wäre :mrgreen: )! Hier wurde mir auch klar, dass ich diesen Sound schon ganz oft auf Tonträgern etc. unbewusst wahrgenommen aber nie hinterfragt hatte.
Bei Just Music (oder noch Amptown) in Hamburg habe ich dann einen 62er Bluesbreaker Combo angespielt und mich hoffnungslos in ihn verliebt. Als ich dann den Preis sah, zerbrach mir das Herz! So wird das nichts!
Oh Mann, ich fange echt an zu schwafeln, sorry! Werde mich kürzer fassen, versprochen!

Ich fand einen netten Mann aus dem Süden der Republik, der einen 1989er (erster RI) BB gebraucht zu einem annehmbaren Preis anbot und schlug zu. Ein Paar Tage später stellte mir ein sichtlich genervter Paketfahrer einen großen, labberigen Karton vor die Füße. In diesem befand sich, ohne jegliche Polsterung mein geliebtes Baby, äusserlich gottseidank unversehrt...ein Wunder!
Dieser schöne Combo begleitete mich jahrelang in meiner Band. Klanglich bot er mir ohne Einschränkung den Sound, den ich so liebte! Zwar immer (auch heute noch) lautstärkemäßig gerade so an der Grenze, aber mir kam nie eine Alternative in den Sinn. Ich hatte meinen Sound gefunden!
Wo Licht ist, ist leider aber auch Schatten. Der Amp zeigte immer mal wieder kleine Macken! Vermutlich hatte der lumpige Transport doch im Inneren Spuren hinterlassen. Er rauschte und brummte wahrnehmbar und hin und wieder war ein russischer Radiosender zu hören (ernsthaft!)!
Da Nachlöten, neue Elkos und Röhren etc. keine wirkliche Besserung brachten, fasste ich vor ca. 10 Jahren den Entschluß, ihn komplett auf Handverdrahtung umzustellen. Hierfür kramte ich tagelang sämtliche Daten, Mods etc. für die original 60er Jahre Spezifikationen zusammen. Die Arbeiten wurden nach meinen Vorgaben (u.a. KT66 Röhren, andere Kondensatoren) von Tube Thomsen in Quickborn von meinen Kumpels Nils Thomsen (RIP) und Edu durchgeführt. Das Schöne war, dass der Combo noch mit original englischen Greenbacks und Drake Trafos bestückt war. So bekam ich ohne zu großen Aufwand einen ganz wunderbaren Bluesbreaker zurück. Kein Brummen oder Rauschen mehr! Stabiler, extrem dynamischer, warmer Sound, bei Bedarf auch richtig mit Kante! Der Grundklang hatte sich nicht völlig verändert, besaß aber irgendwie von allem mehr. Für mich DER Traumamp schlechthin, jetzt auch noch ohne jegliche Spirenzchen.
Und so spielt er bislang ohne Fehl und Tadel und klingt von Jahr zu Jahr immer besser...nicht weil er besser wird, sondern weil er mich verlässlich immer wieder beflügelt und ich offensichtlich besser werde!
Er war viele Jahre bei jedem Gig dabei, ist auch schonmal umgekippt oder hat im Regen gestanden. Hat er nie übel genommen. Heute bleibt er überwiegend im Probenraum. Er ist mir zum eben mal rumschleppen einfach zu schwer geworden. Wird aber jede Woche mit Begeisterung gespielt.
Für unterwegs habe ich mir sein o.g. 1x12" Pendant bauen lassen. Auch ein feiner Combo!

Das war meine Geschichte. Nicht sehr spektakulär aber für mich eine Herzensangelegenheit. Liegt wohl in der Kindheit begründet. Ich war ein Lieblings-Stoffteddy Typ! :D

Mein Bluesbreaker wird niemals verkauft werden sondern nur vererbt!

:danke: für Eure Geduld!
LG Tommy


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Re: Der Amp - mein bester Freund

Beitragvon Wizard » Donnerstag 28. Dezember 2017, 20:10

tommy hat geschrieben:Mein Bluesbreaker wird niemals verkauft werden sondern nur vererbt!


Du bist möglicherweise der einzige Budist, dem ich das abnehme :shock: :mrgreen:

Schöne Story, Tommy, und ein wundervoller Amp, hab ich ja schon des öfteren gesagt. So'n Teil und dann noch handverdrahtet: Marshall Heaven!!! :thumbsup03:
Gruß Peter

immer noch aktuell: >>> leben und leben lassen <<<
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Re: Der Amp - mein bester Freund

Beitragvon tommy » Donnerstag 28. Dezember 2017, 20:15

Ach Peter, Du bist so ein Netter! :prost:
LG Tommy


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Re: Der Amp - mein bester Freund

Beitragvon Paulasyl » Donnerstag 28. Dezember 2017, 20:32

Ich fand es gerade spannend, als Du Dich kürzer fasstest... Von mir aus schweife gern weiter so ab.
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Re: Der Amp - mein bester Freund

Beitragvon uwich » Donnerstag 28. Dezember 2017, 20:52

Habe schon Erfahrungen mit zickigen Amps aller Art gemacht, auch und gerade bei Auftritten. Geärgert hat mich schon mein erster richtiger Amp, der Peavey Bandit 112. Abgeraucht ist mir auch schon ein Fender Blues Deluxe während eines Gigs (allerdings Open Air bei 38 Grad im Schatten und 6 Stunden Dauerbetrieb). Bisher am stabilsten liefen bei mir Fender Hot Rod Deluxe und Mesa Boogie F50.

Mein gebraucht gekaufter Mesa Boogie F50 ist seit einigen Jahren mein bester Freund, auch, da er ein brauchbarer Zweikanaler mit getrenntem EQ ist. Der hat bei insgesamt zirka 20-30 Gigs/Sessions und rund 100 Proben noch nie gezickt. Wenn ich alle meine Amps bis auf einen verkaufen müsste, würde ich den behalten.
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Re: Der Amp - mein bester Freund

Beitragvon Diet » Donnerstag 28. Dezember 2017, 23:04

Wizard hat geschrieben:
tommy hat geschrieben:Mein Bluesbreaker wird niemals verkauft werden sondern nur vererbt!


Du bist möglicherweise der einzige Budist, dem ich das abnehme :shock: :mrgreen:



Nein, er ist nicht der einzige! :thumbs: ;)
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Re: Der Amp - mein bester Freund

Beitragvon Keef » Freitag 29. Dezember 2017, 15:13

Hui - schönes Thema.
Wenn ich jetz schreib, übernehm ich mal - zum großen Teil - Text aus meinen anderen laienhaften Beschreibungen meines Liebelingsämps.

Auf alle Fälle ist der, der mich noch NIE - seit ich ihn besitze - im Stich gelassen hat: JMP 2204.
Gekauft ca. vor der Jahrtausendwende für preiswerte 400 €urodollar.
Den würde ich Immer und Überall einsetzen für meine bevorzugte Mukke - AC/DC, Rotzrock und Konsorten.
Der rockt und rockt und rockt und etcpp, verträgt sich mit Boostern, Zerrern und sonstigen Anbläsern. Hat einiges hinter sich und ist mir auch schon mal aufgeknallt - doesn't matter…

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Als Backup hab ich mir dann einen Orange AD30 zugelegt, der allerdings nach 2 Jahren wieder verkauft wurde, weil der JMP kein Backup brauch :lol:
Allerdings bereue ich heute den Verkauf weil es einfach ein geiler Ämp war…

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Aus Neigierde einen Linnemann M45 Topteil - wow was ein Teil. Der macht alles mit. Clean, Treter, Rock, Blues. Jazz (hab ihn mal 'nem Jazzer geliehen), Pop, Schlager - für mich und meine Sichtweise ein Unversalämp.

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Und irgendwann, so ca. 2011 kam mir in Sinn: Warum mal nicht selbst bauen (lassen).
Lange Rede kurzer Sinn. Mein Haus- und Hoflöter, Elektric-Trick und IT-Spezi in Personalunion meinte: Lass Dir 'nen gescheiten Bausatz zusammenstellen un ich dengel Dir das Ding zusammen.
Der gute Bub hat schon ein paar Amps seines Vaters - Gitarrist von Sunnyland Bluesband - repariert, Teile getauscht, modifiziert und immer bestes Ergebnis zu Tage gebracht. (Irgendwie hat er's druff)
OK - meinen Freund und Marshall-Amp-Spezi – ein paar von Euch kennen ihn ;) - kontaktiert, die Sache besprochen und zu folgendem Schluß gekommen:
Einen Bloody Rocka = Plexi- und 2203er-Sound. Er stellt mir ein Amp-Paket mit den - KLAR - besten Teilen zusammen und Bub legt los. Fragt mich nicht nach technischen Details...
Wie ihr wisst hat gut Ding Weile und Weile und Weile und Weile und Weile und...
Die Weile dauerte bis Januar 2012 an. Ich denke nach zahllosen Telefonaten zwecks Tipps zwischen Löter und Zusammensteller (war bestimmt der eine oder andere Nervenkrieg dabei - ich will's gar nit wissen) kam gestern der Anruf: Bloody Rocka is fertig!

Dann mit der Kiste in den Proberaum, Power an, alle Knöppe bis auf Pre und Master auf 12 Uhr, Klampfe stimmen, Standby. Huch STILLE - nix Rauschen oder so. Is der echt an? Speaker-Kabel drinne? - Alles ok soweit - der is so leise....
Ers ma Bloody = Plexi:
Ich selbst habe erst 1 x vor gefühlten Jahrzehnten 'nen alten Plexi gespielt und was aus dem Amp kam war schon das an was ich mich erinnere: Clean, Riesengroß und mit einem Druck und einer Dynamik die ihresgleichen suchen – NUR... 100 mal besser als es damals war. Master voll auf und die Lautstärke mit dem Gain-Poti regeln, da kommen schon ein bissel Probleme auf wenn man nit wirklich lautmachen kann. Tonpotis regeln effektiv und machen was sie sollen mit leichter gegenseitiger Beeinflussung. Man hat den Sound im Griff. Genau das, was der Keef in seiner AC/DC-Band als Malcolm braucht.
Dann – Rocka = 2203:
Master-Poti gezogen und die „Zerre“ über das Pre-Poti wie bekannt dazuregeln. Ja das isser. Der Sound meines 2204ers – nur, es is einfach MEHR davon. Klar schon mal durch die 100 Watt-Version, aber da is ein „Bauch“ den ich nicht gekannt habe. Bei keinem der 100er die ich so kenne oder mal gespielt habe. Bei Gain 13-14 Uhr kommt Freude auf. Yeah! Das cruncht bis zum Stehkragen, (Angus & Co. hätten ihre helle Freude daran.) Es lässt sich wunderbar mit dem Vol-Poti bis fast clean runteregeln.. Das Rauschen – was für Rauschen? – kann man vernachlässigen. Bei zartem Anschlag geht’s schon unter.

Durch ziehen des Gain-Potis in beiden Modes kann man eine Art „Loudness“ aktivieren. Is natürlich keine, der Sound wird einfach voller, dicker.

1. Fazit: KEIN Amp für die Wohnung – Mission accomplished. Ein Sound zum Niederknien :pray01:
(aber keine Ahnung was die Zwei da genau im einzelnen technisch gemacht haben...)
Das ist der letzte Ämp den ich gekauft habe. Punkt.

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Re: Der Amp - mein bester Freund

Beitragvon tommy » Freitag 29. Dezember 2017, 17:04

Wow, der AGL ist oberlecker! :thumbsup02: :sabber:

...Und die richtige Box ist auch drunter! Greenbacks?
LG Tommy


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Re: Der Amp - mein bester Freund

Beitragvon Keef » Samstag 30. Dezember 2017, 09:15

Jepp
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