Boss CE-20 Chorus Ensemble Twin Pedal

Besprechungen von getestetem Gitarren-Equipment

Boss CE-20 Chorus Ensemble Twin Pedal

Beitragvon Batz Benzer » Dienstag 21. Oktober 2014, 21:58

Der Chorus-Effekt imitiert einen zweiten Gitarristen, der ebenfalls zeitgleich spielt, was der erste bereits darbietet, bzw. denselben Gitarristen, der zwei Mal dasselbe gleichzeitig dudelt. Durch die natürlichen leichten Abweichungen in Tonhöhe und Geschwindigkeit entsteht ein „schwebender“ Effekt, der das Signal „verschönert“ sowie „dicker“ macht.

Seit der Vorstellung dieses Effekts in einem Stand-Alone-Effektgerät aus dem Jahre 1976 in Form des CE-1 ist der Markenname Boss stets gleichzusetzen mit dem Besten, was es an Chorus zu hören und zu kaufen gibt.

Somit ist es mehr als verständlich, dass es sich eben diese Firma nicht nehmen ließ, 2002 im Zuge ihrer damals neuen Twin-Pedal-Serie auch einen neuen Alleskönner in Sachen Chorus zu veröffentlichen: Dieser hört auf den schönen Namen CE-20 Chorus Ensemble und soll hier sieben Jahre später auf Herz und Nieren getestet werden.

Twin-Pedals haben, wie der Name bereits impliziert, zwei Tretflächen: Die erste schaltet den Effekt ein und aus, die zweite zwischen dem aktuell eingestellten Sound (Manual) sowie einem der vier Speicherplätze (Memory) hin und her; je nach Einstellung können über diesen rechten Taster auch die vier Memory-Modes sowie der Manual-Sound hintereinander geschaltet werden, bzw. durch Betätigung beider Taster wird im dritten Mode der Speicherplatz ausgewählt; raffiniert!

Regelbar sind die diversen Chorus-Sounds, in Effekt-Level, Effect-Tone Low & High, Brilliance, Ambience (Raum-Hall), Rate und Depth. An unterschiedlichen Models bietet das mit der bewährten Boss-COSM-Technologie ausgestattete Pedal oben benannten Klassiker CE-1, das Dimensional D aus den seligen 80ern, Standard sowie die „neuen“ Effekte Accoustic (vornehmlich für Elektro-Akustik-Gitarren gedacht, aber auch in Verbindung mit E-Gitarre höchst interessant) wie Bass ( klar, für Bassgitarre!) und Rich.

Beginnen wir mit letzterem: Auch 2009 handelt es sich bei diesem Chorus-Effekt um den transparentesten und gleichzeitig fettesten, der mir jemals zu Ohren gekommen ist; selbst das „Tri Chorus“-Modeling von Line6 kann und muss sich hier hinten anstellen! Immens klar und rein mit beeindruckender Tiefe überzeugt dieser Effekt auf ganzer Linie!

Von ähnlichem Schlag, nur anders „gevoiced“ kommen „Bass“ wie „Accoustic“ daher; die beiden Fachkräfte widmen sich sehr erfolgreich dem Andicken von Bass- wie E/A-Gitarre auf allerhöchstem klanglichen Niveau.

Dagegen kann „Standard“ nur enttäuschen und erinnert an den eher drögen CH-1 aus gleichem Hause, da er die Tiefe, Räumlichkeit und Klarheit erstgenannter Mitbewerber-Models nicht halten kann, aber auch gar nicht soll, bietet er sich vielmehr als zeitgenössisch-klassische Alternative für subtilere Anwendungen an.

Das Dimensional D-Modeling orientiert sich am gleichnamigen Treter, der mir für einen A/B-Vergleich leider nicht vorliegt. Und obgleich ich die hier gegebenen Möglichkeiten großartig finde – der Rate-Regler wirkt hier als Auswahl für die Druckschalter des Originals -, habe ich das Original anders in Erinnerung. Gar nicht mal unbedingt besser, die gebotene klangliche Leistung ist immens zufriedenstellend und kann sich gegen das entsprechende Modeling aus Line6´s MM-4 jederzeit souverän durchsetzen.

Bleibt die Emulation des eigenen Klassikers CE-1, die schön, aber meines Erachtens nicht so authentisch wie erwünscht ausfällt: Geboten wird ein nach oben wie unten schwankender Ton, das Original schwankt indes lediglich nach unten. Zur Referenz wurde hier ein Jacques Meistersinger-Pedal herangezogen, welches in Wärme und Dynamik durch das Boss zu keinem Zeitpunkt zu schlagen war!

Daher lautet mein Fazit: Für moderne, stark effektlastige, immens fette und reiche Chorus-Sounds gibt es schlicht kein besseres Pedal als dieses auf dem Markt! – Sucht man hingegen einen warmen, subtilen Chorus-Effekt, der sich „analog“ anfühlt, gibt es besseres.

Einziger Nachteil ist ein vermehrt auftretendes Höhen-„Hissen“ bei stark aufgedrehtem Brilliance-Regler; ansonsten punktet das CE-20 nicht zuletzt aufgrund der hervorragenden Bedienbarkeit sowie der Speicherplätze auf ganzer Linie! – Darüber hinaus nicht es nicht in der Lage, bei höheren Geschwindigkeiten Leslie-ähnliche Töne von sich zu geben, verspricht dies ja aber auch zu keinem Zeitpunkt. Dafür wird auch keine „Dopplung“ des Tones hörbar wie bei preiswerteren anderen, mehrstimmigen Chorus-Effekten; per Anschlag gibt es einen Ton und nicht den bekannten „Slapback“-Effekt, und so soll es ja sein.

Für knapp unter 200€ präsentiert sich auch sieben Jahre nach Markteinführung der „König der Chorusse“ als immens effektives Werkzeug für die breiteste Tongestaltung, die dieser Effekt ermöglicht; warm-analoge, subtile Sounds sind hingegen nicht seine Stärke.

Noch ein Nachschlag: Das CE-20 hat keinen „True Bypass“, verhält sich aber sehr klangneutral; die Effekte boosten das Signal nicht, sondern fetten es lediglich um den Effekt an.
"Lennon was the soul of the Beatles, Harrison was the spirit, Paul was the heart, and Ringo was the drummer."

- George Martin
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