Herzblut...

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Herzblut...

Beitragvon kiroy » Freitag 5. Februar 2016, 14:02

Schon wieder ein Thema von mir! :tuete01:

Im Thread über mein Solo-Projekt war u. a. ein Beitrag, der mich nachdenklich gemacht hat:
setneck hat geschrieben:...da kommt Stimmung auf, aber kein Herzblut 'rüber.
Ich habe sofort gedacht: "Nee, genau DAS würdest Du nicht machen wollen!
Ich hab zwar auch immer "nur" Covermucke gemacht, aber da geht es immer um Titel, die mir (und den Mitmusikern) echt was bedeuten. Wenn die dann noch gut ankommen, umso besser.
[...]
Ich will Dir nicht unterstellen, dass Du die Stücke nicht magst. Aber es kommt nicht so rüber...

Wer ab und zu auf der Bühne steht, wird sich sicher auch Gedanken darüber machen, was will ich erreichen? Wie schaffe ich das? Gelingt es mir?

Spiele man Protest-Songs und macht einen auf Bob Dylan, will man zum Zuhören und Nachdenken anregen, vielleicht betroffen machen und letztlich die Welt retten. Da kann ich durchaus "Herzblut" erkennen.
Aber was will z. B. ein Bluesmusiker ("Woke up this morning...") erreichen? Und wie kann er es erreichen? Wo und wie bringt er "Herzblut" rüber?
Was erwartet man von einem Cover-Rocker? Wie zeigt er, dass ihm ein Song etwas bedeutet? Und wie kriegt er das ans Publikum ran? Gibt es überhaupt Cover-Songs, die einem "etwas bedeuten"? Oder gibt es so etwas eigentlich nur bei eigenen Stücken? Mit eigenen Worte, eigener Musik?
Wie ist es, wenn man auf einer Vereinsfeier, einem Firmenjubiläum oder einem Geburtstag zum Tanzen spielt? Ist da überhaupt Herzblut gefragt?

Setneck (äh, Rainer? :mrgreen: ) hat das schon richtig erkannt. Bei mir kommt kein "Herzblut" rüber. Wie auch? Ich mache Musik, damit sich die Leute gut unterhalten. Dafür werde ich engagiert und bekomme Geld dafür. Ich bin in diesem Fall Dienstleister.
Aber ist das bei Cover-Mucke nicht immer so? Egal, ob man Cover-Rock, Cover-Blues, Cover-Karnevals-Schlager oder Cover-Punk spielt?
Ich denke, auch wenn ich mit meiner Band Cover-Rock mache, ist da kein Herzblut dabei. Wie spielen die Songs, weil wir hoffen, dass sie dem Publikum (ebenso wie uns) gefallen, die Leute einen schönen Abend haben und wir wieder mal spielen dürfen.

Ich bin sehr gespannt, wie Ihr das seht. Erzählt doch mal, mit wieviel Herzblut Ihr auf der Bühne steht und wie Ihr das hinbekommt.

PS:
Wieviel Sekunden haltet Ihr das aus? :lol02:

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Re: Herzblut...

Beitragvon FretNoize » Freitag 5. Februar 2016, 14:18

Ich denke, es gibt zwei unterschiedliche Pole. Manchmal will das Publikum intensiv zuhören, hab ich neulich auf einem Hozier-Konzert in Luxembourg erlebt, da hat er ein Duet mit seiner durchaus ansehnlichen Cello-Spielerin gesungen, da hat man im Publikum die Stecknadeln fallen hören können. Aber Publikum, das zu einer Karnevalsveranstaltung geht, will Rumm-Ta-Ta und Bumm-Bumm. Beides ist gut und wichtig.

Ich merke immer mehr, ich bin gar nicht der Typ, um live-Musik dauerhaft zu machen. Immer wieder dasselbe zu spielen, dafür aber jedesmal einen Riesenaufwand zu betreiben (wir haben Licht und PA und Komplettaufbau gemacht), das ist nicht mein Ding. Und jetzt, wo eine meiner Bands auseinander ging, hab ich gemerkt, das mir so gar nichts fehlt. Mein Herzblut liegt eher im Aufnehmen, von daher bin ich eh der Falsche, die Frage zu beantworten.
Aloha,
Holger

Lauter klingt alles besser. Ausser einem Banjo.
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Re: Herzblut...

Beitragvon Garry » Freitag 5. Februar 2016, 14:26

38 Sek. das war dann aber schon hart an der Schmerzgrenze :mad01:

ne ich mach nur noch Musik die mir Spass macht und die mache ich mit viel Herzblut :prost:
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Re: Herzblut...

Beitragvon setneck » Freitag 5. Februar 2016, 14:34

Roland,
das war in Deinem Fall kein Vorwurf / Kritik! Bei Deinem Solo-Projekt liegen die Prioritäten eben anderswo.
"Herzblut", wie ich es mal genannt habe, ist keine Intention, mit der man auf die Bühne geht und auch kein Produkt, das man von dort verkauft.
Wahrschein(hoffent)lich kommst Du mit Deiner Band zusammen ganz anders rüber. Und nicht nur, weil Du Dich da mehr auf die Gitarre konzentrieren kannst.
Natürlich ist man als Covermucker Dienstleister - aber auch als Darbieter eigener Kunst! Die Ansprüche seitens des Veranstalters oder Publikums sind da sehr ähnlich.
"Ich denke, auch wenn ich mit meiner Band Cover-Rock mache, ist da kein Herzblut dabei..."
Oh, das verblüfft mich :o . Da stellt sich für mich nicht die Frage, ws der Musiker erreichen will, sondern warum er Musik macht?
Ich möchte in erster Linie Spaß/Freude daran haben. Ich muss kein Geld damit verdienen und will auch nichts beweisen. Den meisten Spaß habe ich unter möglichst Gleichgesinnten. Das schien mir früher leichter erreichbar, vielleicht irre ich mich da oder bin nicht repräsentativ. Aber das ist eh ein anderes Thema.
Gruß, Thomas - äh, Rainer - nee, Michael - oder war's Bernd? :kopf_kratz01:
Schöne Jrööss,
Thomas
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Re: Herzblut...

Beitragvon Karsten » Freitag 5. Februar 2016, 14:38

kiroy lass dich nicht verunsichern...
Herzblut ist für mich wenn sich jemand reinhäng, sich um Details kümmert. Das machst Du doch, deine Bühne ist aufgeräumt, du baust einen Hintergrund auf, das Licht ist abgestimmt auf die Songs, die wiederum sind ausgefeilt mit Chor usw... ich kann auch nicht sagen das Du gelangweilt hinterm Micro stehst, schließlich machst Du alles alleine, spielen, singen, schalten, da musst Du konzentriert sein.
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Re: Herzblut...

Beitragvon kiroy » Freitag 5. Februar 2016, 14:40

Garry hat geschrieben:38 Sek. das war dann aber schon hart an der Schmerzgrenze :mad01:

Respekt!!! :thumbsup03:

Garry hat geschrieben:ne ich mach nur noch Musik die mir Spass macht und die mache ich mit viel Herzblut

Super! :thumbsup03:
Da wäre meine Frage jetzt: Wie zeigt sich Dein Herzblut? Oder wie zeigst Du Dein Herzblut auf der Bühne?
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Re: Herzblut...

Beitragvon Batz Benzer » Freitag 5. Februar 2016, 14:48

Herzblut bedeutet für mich Leidenschaft, und Leidenschaft bedeutet für mich, für etwas zu brennen.

Ich persönlich kann nicht anders, ich muss Musik machen oder mich anderweitig künstlerisch artikulieren, weil es mein einziges dauerhaft funktionierendes gesundes Ventil ist.

Für mich ist auch bereits eine Interpretation ein künstlerischer Vorgang und daher befriedigend. Einfach "nur" nach zu spielen, möglichst authentisch, könnte demnach nie mein Ziel sein, da mir so der Mehrwert fehlt... aber ich erkenne, dass es anderen Spaß macht oder gar Leidenschaft ist und freue mich für sie!

Musik lebt doch davon, dass sie von JEDEM nach- oder mitgesungen, gepfiffen oder gedacht werden kann. Von all diesen Elaboraten sind die wenigsten musikalisch anspruchsvoll, aber zum Überleben der Musik braucht es sie alle, uns alle.

Mir ist doch scheißegal, warum jemand musiziert (Hauptsache, es ist runter von der Straße... :clown: ); allerdings möchte auch ich als Rezipient gerne entweder Leidenschaft oder wahlweise Perfektion hören. Leidenschaftsloser Vortrag ist für mich wie uninspirierter Sex... davon hat niemand was.

Dabei darf man bitte nie versuchen, eine Leidenschaft vorzutäuschen, wo keine ist: Das ist unauthentisch und damit die allergrößte Todsünde des Performers; nichts macht unsympathischer.

Soll bedeuten: Finde Deinen eigenen Zugang zu der Sache und vergleiche Dich dabei nicht mit anderen. Es gibt keine Wertigkeits-Skala, Musik gehört uns allen!

Mit dem Einsatz, mit dem Du, Roland, hier bei der Sache bist, fällt es mir übrigens schwer, nicht an Leidenschaft zu glauben; sie mag bei Dir nur eventuell einen anderen Schwerpunkt haben, der Dir noch gar nicht so klar ist. ;)

Lieben Gruß,

Batz.
"Lennon was the soul of the Beatles, Harrison was the spirit, Paul was the heart, and Ringo was the drummer."

- George Martin
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Re: Herzblut...

Beitragvon kiroy » Freitag 5. Februar 2016, 15:12

setneck hat geschrieben:Roland,
das war in Deinem Fall kein Vorwurf / Kritik! Bei Deinem Solo-Projekt liegen die Prioritäten eben anderswo.
"Herzblut", wie ich es mal genannt habe, ist keine Intention, mit der man auf die Bühne geht und auch kein Produkt, das man von dort verkauft.
Wahrschein(hoffent)lich kommst Du mit Deiner Band zusammen ganz anders rüber. Und nicht nur, weil Du Dich da mehr auf die Gitarre konzentrieren kannst.
Natürlich ist man als Covermucker Dienstleister - aber auch als Darbieter eigener Kunst! Die Ansprüche seitens des Veranstalters oder Publikums sind da sehr ähnlich.
"Ich denke, auch wenn ich mit meiner Band Cover-Rock mache, ist da kein Herzblut dabei..."
Oh, das verblüfft mich :o . Da stellt sich für mich nicht die Frage, ws der Musiker erreichen will, sondern warum er Musik macht?
Ich möchte in erster Linie Spaß/Freude daran haben. Ich muss kein Geld damit verdienen und will auch nichts beweisen. Den meisten Spaß habe ich unter möglichst Gleichgesinnten. Das schien mir früher leichter erreichbar, vielleicht irre ich mich da oder bin nicht repräsentativ. Aber das ist eh ein anderes Thema.
Gruß, Thomas - äh, Rainer - nee, Michael - oder war's Bernd? :kopf_kratz01:

Schon gut, ThoRaiMiBe! :mrgreen:
Ich habe das nicht als Vorwurf aufgefasst und wollte es eigentlich auch ganz weg von dem anderen Thread diskutieren. Ganz allgemein.

Ich weiß nicht, ob ich mit der Band anders rüber komme. :kopf_kratz01: Auch dort spiele ich Gitarre und singe. Der Unterschied ist eigentlich, dass ich mich darauf verlassen kann, das das Playback z. B. immer an der richtigen Stelle den Break bringt, bei der Band weiß man das nie so genau. ;) Da bin ich fast noch mehr darauf konzentriert, darauf zu achten, was die anderen machen.

Musik mache ich schon auch in erster Linie, weil's Spaß macht. Allerdings kann ich auf Anhieb nicht sagen, was daran Spaß macht. Ist es tatsächlich (nur) die Musik? Oder ist es das "Auf-der-Bühne-stehen"? Das "Bewundert-Werden"? Der Applaus? Wenn es nur die Musik alleine wäre, würde es ja genügen, daheim im stillen Kämmerlein Musiki zu machen und evtl. aufzunehmen. Wie FretNoize. Das Ziel der Band ist "raus auf die Bühne, nicht im Proberaum versauern!". Ich glaube, dass es schon auch der Wunsch nach Anerkennung ist, der einen auf die Bühne treibt.

:kopf_kratz01: Gar nicht so einfach, das alles in Worte zu fassen...

Karsten hat geschrieben:kiroy lass dich nicht verunsichern...
Herzblut ist für mich wenn sich jemand reinhäng, sich um Details kümmert...

Nö, verunsichern tut's mich nicht, aber interessant ist der Gedanke von setneck schon.
Ja, mein Herzblut hängt bei mir insofern drin, dass ich viel Aufwand betreibe. Sowohl beim Solo-Projekt als auch in der Band.
Aber das kommt natürlich auf der Bühne nicht rüber. Sollte es m. M. n. auch nicht.
Auf der Bühne soll alles easy und einfach aussehen. "There's no business like showbusiness". Also müsste das Herzblut anderweitig zum Vorschein kommen.
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Re: Herzblut...

Beitragvon kiroy » Freitag 5. Februar 2016, 15:17

Batz Benzer hat geschrieben:Herzblut bedeutet für mich Leidenschaft, und Leidenschaft bedeutet für mich, für etwas zu brennen.
Während ich den vorherigen Beitrag schrieb, dachte ich schon, dass der Begriff "Herzblut" etwas überstrapaziert wird. Mir fiel aber kein besserer Begriff ein.
jetzt hab' ich ihn: "Leidenschaft".
Jo, passt.
Danke, Batz
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Re: Herzblut...

Beitragvon Garry » Freitag 5. Februar 2016, 15:20

kiroy hat geschrieben:
Garry hat geschrieben:38 Sek. das war dann aber schon hart an der Schmerzgrenze :mad01:

Respekt!!! :thumbsup03:

Garry hat geschrieben:ne ich mach nur noch Musik die mir Spass macht und die mache ich mit viel Herzblut

Super! :thumbsup03:
Da wäre meine Frage jetzt: Wie zeigt sich Dein Herzblut? Oder wie zeigst Du Dein Herzblut auf der Bühne?


haha gute Frage ..... ich sag mal so, wenn wir unser Konzert beendet haben, habe ich auch bestimmt 1 kg abgenommen bin total durchgeschwitzt, die Fingerkuppen tun mir weh, bei unseren Congaspieler fließt auch richtiges Blut wenn er sich nicht vorher die Finger mit Tape umwickelt hat. Wir spielen einfach anders als wie zur Probe, wir nehmen uns da viel mehr Spielraum zum Improvisieren. Klar bei den Song die Abläufe die bleiben schon irgendwie aber je nach Stimmung im Publikum, kann der Song schnell mal 10 oder 15 Minuten dauern. Wir sind danach richig aufgepusht aber auch zufrieden und glücklich.
Wenn es schon eh nicht mehr die Große Kohle gibt ... soll es wenigstens Spaß machen :mosh:
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