Sela Cajon Varios und Varios Mini

Besprechungen von Nichtgitarren, Nichtverstärkern und Nichgitarrenzubehör

Sela Cajon Varios und Varios Mini

Beitragvon Batz Benzer » Dienstag 3. Januar 2017, 15:19

Die deutsche Cajon-Manufaktur Sela besitzt unter Liebhabern der trickreichen Trommelkisten den Ruf, in gemäßigten Preiskategorien viel zu bieten und sich besonders in der klanglich-haptischen Trennung von Bass und Snare hervorzutun.

Überdies hat diese Firma ein eigenes Snare-System entwickelt, welches es von keinem anderen Hersteller in dieser Form gibt, was mir Grund genug war, mich mit Cajones der Marke Sela intensiver auseinander zu setzen.

Dies soll am Beispiel der Modelle Varios und Varios Mini geschehen, welche Gegenstand dieser Besprechung sind; beide Geräte liegen mit 119€, bzw. 109€ im eher günstigen Bereich für Anfänger. Ich denke, nicht zu viel vorweg zu nehmen, wenn ich anmerke, dass Fortgeschrittene ebenso ihren Spaß an den coolen Kisten haben werden.

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Aber erst einmal zum Aufbau: Es sind elflagige und 15mm starke Birkenholz-Boxen im 30x30cm-Format; das Varios misst "normale" 47cm in der Höhe, das Mini nur 37cm, wodurch es sich hervorragend für Kinder und kleine Mitmenschen eignet.

So weit, so Standard; mit 5kg (4kg das Mini) ist das Gewicht etwas höher als bei den meisten Mitbewerbern. Übliche Gummifüße und das rückseitige, unregelmäßig elliptische Schallloch runden das Gesamtbild ab.

Das Schlagflächen-Design ist beim Varios mannigfaltig und liegt bei dem vorliegenden Modell in braunem 2-Ton-Sunburst vor; das Mini gibt es ausschließlich mit gelber Front.

Ebenso einzigartig wie das nicht runde Schallloch ist die Snare-Kontruktion aller Selas: Hier steckt eine entnehmbare Traverse im Inneren, die durch zwei entsprechend verleimten Balken unten an die Schlagfläche gedrückt wird; auf der Traverse befindet sich ein ganzer Snare-Teppich, an den durch ein Loch von hinten Schaumstoff gedrückt und das System somit stufenlos gedämpft werden kann.

Man kann also durch Herausziehen, bzw. Andrücken des Schaumstoffs den Snare-Klang maßgeblich beeinflussen, den Schnarreffekt so prominenter oder subtiler gestalten. Durch Herausnahme der Traverse lässt sich jedes Sela in kürzester Zeit in ein snareloses Cajon verwandeln. Gleichermaßen flexibel wie clever!

Beispielbilder aus dem Netz:

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Für diesen Test habe ich zwei B-Stock-Instrumente geordert; das große Varios hat helle Verfärbungen an der rechten Flanke, das kleine Mini hat linker Hand einen kleinen Spalt zwischen Schlagfläche und Gehäuse, der sich m.E. jedoch nicht klanglich auswirkt, und falls doch: Nicht negativ.

Beim Kleinen ist die Schaumstoffdämpfung für die Snare nicht notwendig; auch ohne Schwingungsbehinderung klingt der Bassbereich, der hier etwa fünf Halbtöne höher als beim erwachsenen Varios ausfällt, bar jeden Schnarrens, die Snare selbst dafür herrlich voll und spricht bereits bei Fingerbenutzung sensibel an. Toll!

Wer jetzt meint, das kleine Cajons natürlich nicht so voll und satt wie ihre großen Verwandten tönen können, der liegt einerseits natürlich richtig. Andererseits zeigt das Varios Mini, dass "kleiner" auch seinen Charme hat und eher wie ein hochgestimmtes Piccolo-Set klingt; ich muss spontan an "Nowhere" der Band Therapy denken. It's not a bug, it's a feature! Zumindest in meinen Ohren klingt es druckvoll und frisch, eher eine Spielart denn Zugeständnis an die Physik.

Klar, das große Varios kommt deutlich tiefer und sonorer, aber nicht unbedingt druckvoller: Die Snare kann hier ein wenig Schaumstoff vertragen, um die Trennung von Bass und Snare komplett zu gestalten, ohne dass letztere dadurch kastriert würde: Die Ansprache ist, verglichen mit Cajons anderer Hersteller, immer noch hochsensibel und sehr angenehm und kann z.B. meinem De Gregorio Maestro (ca. 250€) durchaus das Wasser reichen!

Und wo wir schon einmal beim Vergleich sind: Der Bassbereich des Varios ist druckvoll und alles andere als schwammig, kann sich daher ebenfalls mit Trommelkisten jenseits der 200€-Grenze messen, wenngleich der Ton nicht so tief wie z.B. beim hier jüngst besprochenen De Gregorio Yaqui herunter reicht.

Was die Dynamik anbelangt, so ist das Mini etwas eingeschränkter als der große Bruder, der klar und ohne Umschweife detailreich umsetzt, was man von ihm verlangt.

Da die Führungsbalken der Snare im Inneren so weit hoch reichen, dass man auch zwei Snare-Traversen übereinander einsetzen kann, habe ich ich das aus Spaß auch gleich mal gemacht: Jou, geht, verbessert aber m.E. den Klang nicht mehr, zumal das Kleine bereits maximalen Snare-Spaß bietet und das große Varios mit mehr Snare auch das Schnarren im Bass nicht mehr unterdrücken kann.

Und noch'n Trick, den Sela "Clap Corners" nennt: In den beiden oberen Ecken gibt es jeweils einen Effekt der tatsächlich irgendwo zwischen Rim Shot, Handklatschen und Kastagnetten liegt und die klangliche Palette sinnvoll erweitert!

Gibt es Unschönes und/oder berichtenswerte Nachteile? - Leider passen die Bass-Boost-Zylinder von Schlagwerk nicht in die hier geschnittenen Schalllöcher, die optisch eher dem Profil eines seeeehr dicken Gitarrenhalses ähneln. Andererseits ist der Bass stark genug ausgeprägt, so dass es derlei Plastik-Ergänzungen m.E. auch nicht braucht.

Und der Vollständigkeit halber: Es finden ausschließlich Torx-Schrauben Verwendung!

Fazit: Wenn es um Cajons im Preisbereich bis 170€ geht, sollte man Sela unbedingt in den persönlichen Test einbeziehen! Der gute Ruf kommt beileibe nicht von ungefähr, sowohl das Varios als auch das Varios Mini klingen druckvoll und gleichermaßen schnell an, können auf persönliche Vorlieben und Klangvorstellungen angepasst werden und trennen den Bass sauber von der Snare.

Auch als großer Mensch habe ich Spaß mit dem Mini, da es einem hochgestimmten Drumset ähnelt.

Das Preis-/Leistungsverhältnis empfinde ich als sehr gut. :thumbsup03:

Liebe Grüße,

Batz. :smoke01:
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Re: Sela Cajon Varios und Varios Mini

Beitragvon Magman » Dienstag 3. Januar 2017, 19:51

Herzlichen Dank für dein interessantes Review lieber Batzi :thumbsup02:

Ich hab zwar auch recht viel mit den Thema Cajon zu tun und hab auch schon welche gebaut mit einem Kollegen zusammen, aber von der eigenwilligen Snarekonstruktion von Sela wusste ich bis eben noch nix :o Das liest sich schon sehr interessant und macht mich ehrlich gesagt auch neugierig. Ich werde mal meinen Kumpel fragen, ob er nicht auch mal 1-2 Modelle dieser Fa ordern kann, um sie einem direkten Vergleichstest mit seinen "Lieblingen" von Schlagwerk zu unterziehen. Gerade bei der Snare gibt's ja rieeeeeeeesige Qualitäts- und Klangunterschiede.
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Re: Sela Cajon Varios und Varios Mini

Beitragvon Batz Benzer » Dienstag 3. Januar 2017, 20:02

Danke für Dein Feedback, Mäggy! :thumbsup03:

Mein erstes Cajon war von Schlagwerk - es musste vor geraumer Zeit gehen. Das teure Schlagwerk meines Schwiegervaters hatte m.E. keine Chance gegen das aktuelle Setup, bestehend aus De Gregorio-, Fame- und eben Sela-Cajons.

Morgen oder übermorgen kommt (dank Gutschrift, Skonto-Bonus und Retoure-Modell) noch das Modell Casela von Sela bei mir an; auch das teste ich gerne auf Her(t)z und Nieren(charakteristik). :mrgreen:

Schönen Abend,

Batz. :smoke01:
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Re: Sela Cajon Varios und Varios Mini

Beitragvon SilviaGold » Dienstag 3. Januar 2017, 22:20

Also sollte ich mal ein Cajon kaufen werde ich mit Sicherheit hier auf deine ausführlichen Reviews hier zurückgreifen.

Ich hatte ja nur bei den 3 Budenjams die Gelegenheit zu spielen und kann nur sagen, das ich letzes Mal nicht so von dem Gerät angetan war.
Es machte nicht so richtig mit und trotz eingelegtem Mikro übertrug das nicht so kraftvoll die Beats... aber wer weiss - vieleicht hätte man auch die PA anders einstellen müssen. Die sind ja auch mehr für Akustiksessions gedacht.
#Immerhin es war da!

Danke für den Bericht Batz :thumbsup03:
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Re: Sela Cajon Varios und Varios Mini

Beitragvon HaWe » Dienstag 3. Januar 2017, 23:31

Vielen Dank für die eindrucksvolle Vorstellung, Herr Batz. :thumbsup03:
Ich hab hier zu Hause ein günstiges Cajon von "Schalloch" (oder wie das heißt) und das reicht mir zur Zeit aus.
Sollte mich mal nach etwas Besserem gelüsten, schaue ich mir die Selas sicherlich auch an.

@Andrea:
Ich denke, der relativ magere Sound in Quakenbrück ist/war mit der doch recht schmalbrüstigen Endstufe zu begründen. ;)
Gruß HaWe
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Re: Sela Cajon Varios und Varios Mini

Beitragvon 75Deluxe » Mittwoch 4. Januar 2017, 10:51

Danke für das Review, Batz!
Die Teile interessieren mich. Ich finde nämlich bei den meisten Cajons gerade die Snare sehr mau und wünsche mir einen viel Snaredrum-mäßigeren Sound mit mehr Anteil vom Teppich. So wie ich dich verstanden habe, ist das doch hier der Fall oder?
Könntest du auch noch Soundclips posten, gerne auch mit dem neuen Teil, das du demnächst noch bekommst?
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Re: Sela Cajon Varios und Varios Mini

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 4. Januar 2017, 13:43

Hi Jochen,

freut mich, wenn Dein Interesse geweckt ist! :thumbsup03:

Die Sache mit dem Aufnehmen... ich kriege das nicht gescheit hin; es klingt immer nach einem völlig uninspiriertem Sack Nüsse... :roll:

Was mich tröstet: Die meisten Aufnahmen im Netz geben den Raumklang des Cajons nicht wieder, sondern klingen steril und doof.

Mal schauen, ob ich heute ein wenig Zeit finde, um was zu experimentieren. ;)

Das Casela ist übrigens schon da; Eindrücke gibt es später. :mrgreen:

Lieben Gruß,

Batz.
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Re: Sela Cajon Varios und Varios Mini

Beitragvon tommy » Mittwoch 4. Januar 2017, 14:51

Batz Benzer hat geschrieben:...ich kriege das nicht gescheit hin; es klingt immer nach einem völlig uninspiriertem Sack Nüsse... :roll:




...hast Du es mal ohne "sich draufsetzen" versucht? :mrgreen: :undwech:
LG Tommy


Ich wünsch' mir einen Dudelsack!
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Re: Sela Cajon Varios und Varios Mini

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 4. Januar 2017, 14:53

Ich sitze immer auf meinem Sack; manchmal hüpfen meine Kumpels und ich auch auf ihm zur Tanke. :mrgreen:

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Hier mal ein Vergleich aller sechs Cajons: https://www.dropbox.com/s/hcv4bfrkdlqds ... t.mp3?dl=0

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SilviaGold hat geschrieben:Ich hatte ja nur bei den 3 Budenjams die Gelegenheit zu spielen und kann nur sagen, das ich letzes Mal nicht so von dem Gerät angetan war.
Es machte nicht so richtig mit und trotz eingelegtem Mikro übertrug das nicht so kraftvoll die Beats... aber wer weiss - vieleicht hätte man auch die PA anders einstellen müssen. Die sind ja auch mehr für Akustiksessions gedacht.


Wenn Du die Eifel meinst, Andrea: Das war das letzte hier im Test, das Fame Masters. ;)

Gruß,

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Re: Sela Cajon Varios und Varios Mini

Beitragvon 75Deluxe » Mittwoch 4. Januar 2017, 16:29

Na Danke, da ist ja schon das, was ich begehrte :-)
Mein Urteil (rein vom Hören) ist klar:
Das Sela Caselas, das wäre es für mich! Optimale Trennung von Bass und Snare, schön crisp und mit richtig viel Teppich! (Entsprechend haben mir die beiden Fame am wenigsten gefallen).
Danke!
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