P-90 im Humbuckerformat

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P-90 im Humbuckerformat

Beitragvon Batz Benzer » Freitag 3. Juli 2015, 14:27

Tach Bude,

P-90 im Humbuckerformat möchten ja eigentlich gerne P-90 sein, sich so verhalten und auch so klingen. In einem Nachbarthread kam u.a. die Frage auf, ob dem denn überhaupt so sei.

Über diese Frage habe ich ein wenig nachgedacht; außerdem habe ich meine Duesenberg Dominos sowie die Gibson P-94 viel befeuert. Mittlerweile habe ich mir ein Urteil darüber gebildet:

Ich finde, P-90 im Humbuckerformat sind eine eigene PU-Gattung. Sie haben herstellerüberfreifend eine eigene Identität, die bei aller Variation immer wieder durchkommt und nicht identisch mit der guter P-90 ist.

Im Vergleich zum P-90 klingt der P-90 im Humbuckerformat "breiter aufgestellt" im Frequenzspektrum, nicht ganz so "notchy" die der Soapbar; er hat mehr Höhen, die den PU auch stärker dominieren; dafür fehlt ihm diese spezielle "Mittennase", bzw. dessen stärkere Ausprägung. Der P-90 ist, im positiven Sinne, mehr "Plastik"; der HB-P-90 hingegen "Metall". Auch fühlen sich die beiden PU-Typen unterschiedlich an, habe eine andere Spieldynamik; besser kann ich es leider nicht beschreiben.

Wichtig: Wir reden hier über Tendenzen, Nuancen; die beiden sind sich schon sehr nah in Dynamik und Frequenzgang. Aber eben doch unterschiedlich; wer einen P-90 im HB-Format kauft, sollte keinen P-90 erwarten, höchtens tendentiell.

Wie sind Eure Erfahrungen mit den Dingern? - Ich würde mich freuen, was mit Euch zu plaudern. :smoke01:

Beste Grüße,

Batz.
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Re: P-90 im Humbuckerformat

Beitragvon Deluxeplayer » Freitag 3. Juli 2015, 15:16

Hallo Batz, Hallo Alle!

Mh, mit P90 im Humbucker-Format habe ich keine Erfahrungen - aber mit den "andersrum"-Angeboten, und die passen ja ganz gut hierher: nämlich P90 mit Brumm-Unterdrückung, also Humbucker im P90-Format.

Der schlimmste/lahmste davon war sicherlich der Gibson P100, aber ich hatte noch zwei weitere von anderen renommierten Herstellern.
Sorry, die Namen/Typen hab´ ich vergessen, weil es mich nicht mehr interessiert ;)

Alle hatten lediglich klanglich ein bisschen was mit P90 zu tun - aber die Dynamik, die Lebendigkeit und das "am Plektrum-hängen", das man an P90 so lieben kann, waren jeweils total weg.
Schade eigentlich :kopf_kratz01:


LG + keep cool - C.
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Re: P-90 im Humbuckerformat

Beitragvon Magman » Freitag 3. Juli 2015, 15:27

Hi Batz,

als großer Anhänger von P90 und allen anderen Einspulern - ich bin ein Humbucker-Hasser - kann ich dir sagen das es bei den klassischen P90 schon viele Unterschiede gibt je nach Bauform. Dogears klingen schon etwas anders als Soapbars. Dazu kommt dann das Material der Kappe. Kunststoff gegenüber Neusilber. Tonkillend ist z.B. eine verchromte Kappe aus Blech wie bei den ganz billigen P90 verwendet wird. Dann hast du das Material und die Beschaffenheit der Magnete, den Wickeldraht und last but not least das Wachsbad. Letzteres entscheidet sehr viel darüber wie viel Freude wir mit den Einspulern haben. Meine Ambers z.B. koppeln gar nicht. Sie pfeifen nicht und machen kaum Geräusche. Selbst nicht bei Gainorgien a la Gary Moore. Das zeugt von einer sehr guten Qualität und vor allem von Leuten die ihr Handwerk verstehen!

Ich habe auch schon tolle Sounds aus sogenannten P90 in Humbuckerformat geholt. Da gibt es sie auch, die großen Unterschiede was Fertigung betrifft. Nicht alles was sauteuer ist ist auch saugut, aber nicht alles was saubillig ist ist auch saugut. Nicht sehr viele Hersteller haben sich spezialisiert auf P90 und nicht umsonst gelten z.B. die P90 von David Barfuss, oder Wolfgang Damm (Amber) mit zu den besten die man kaufen kann. Die Duesenberg, bzw Kluson P90's sind auch sehr gut, obwohl maschinell hergestellt.

Also meine Erfahrung ist die, das nicht nur die Gehäusebauform unterschiedlich ist was den Sound eines guten P90 ausmacht, sondern vielmehr auch das ausgewählte Instrument und die optimale Einstellung zu den Saiten!
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Re: P-90 im Humbuckerformat

Beitragvon bluesation » Freitag 3. Juli 2015, 15:42

Meine Erfahrung mit P90HB erschöpfen sich mit dem einmaligen Einbau von Dominons in ein LP artiges Mahagonieholz mit Flattop und Wraparound Steg. Das gefiel mir garnicht. Leider lange her so dass ich den Klang nur noch schwer beschreiben kann. Irgendwie sehr plärrig mit dominanten Hochmitten. Flogen auch gleich wieder raus, meist weiß man schon nach ein paar Tönen ob es bleibt oder wieder geht. Zum Vergleich, heute werkeln in diese rGitarre Golden 50 und das zu meiner großen Zufriedenheit.
In einer fast baugleichen Gitarre, allerdings mit Maple Top und Stoptail, arbeiten echte P90, zunächst die Originalen, dann Wilkinson und derzeit Gibson. Deren Klang hat nicht annähernd etwas mit den Dominos zu tun gehabt.
Leider kann man einen Vergleich von P90 und P90HB nicht mit der identischen Gitarre machen, was man eigentlich müsste um besser vergleichen zu können. Oder man baut so eine Pickup Test-Gitarre wie Rockinger . Müsste mal die CD rauskramen, meine da wären die Rockinger P90 und die Dominos getestet.
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Re: P-90 im Humbuckerformat

Beitragvon tommy » Freitag 3. Juli 2015, 15:59

...meine kleine Erfahrung:

HB P90 ist mehr der Gentleman. Bei meiner Chevy klingt er bei einer linearen Klangeinstellung des Bluesbreaker am besten aufgestellt. Feinfühlig bei Clean mit vielen Obertönen (der Humbucker, der vorher drin war klang vergleichsweise dumpf) und offen rockig bei Gain. Insgesamt sehr vielseitig und elegant.

Die Soapbars in meiner Hamer sind von einem ganz anderen Kaliber. Zart gespielt im Cleanmodus sind sie auch recht lieblich, scharren aber irgendwie schon mit den Hufen. Schwer zu beschreiben, ist mehr so ein Spielgefühl. Wenn sie aber von der Kette gelassen werden knallt mir der Sound richtiggehend in die Fresse! Bässe und Höhen sind sehr ausgeglichen da und dann die Mitten! Nicht hohl nicht topfig, nicht unangenehm sondern Rockbrett pur. Ich habe noch nie bei einem andersartigen PU so geile Mitten gehört. Das führt sogar dazu, dass ich am Amp die Mitten zusätzlich reindrehe obwohl ich eigentlich seit Jahrzehnten ein "Rausdreher" war!

Ich bin nun ja P90 Neuling, kann aber jetzt nachvollziehen, wenn alte Hasen sagen, dass P90 Rock pur sind! Und genau diese Attitüde haben P90 im Humbucker Format m.E. nicht so ausgeprägt. Sie gehen lediglich in die Richtung.
LG Tommy


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Re: P-90 im Humbuckerformat

Beitragvon BruderM » Freitag 3. Juli 2015, 21:11

Kann ich vom Grundsatz her bestätigen. Habe den Mean90 in meiner Tennessee dringehabt und das war anders als der Humbucker, aber nicht wie meine Soapbars, die ich in anderen Gitarren habe. Höhen und Offenheit ja, aber die Mittennase nicht.
Wobei meine PRS SE Soapbar das ab Werk ähnlich hatte, die Pups ab Werk klangen alleine im Musikkeller wunderbar, sind im Kontext aber immer untergegangen, waren irgendwie zu Hifidel.

Habe ein Paar GFS reingeschraubt und voila, alles, was ich hören will, das Ding hat eine angenehme Resonanz, so daß man mit der Gitte intuitiv immer bei irgendwelchen Stonesartigen Riffgeschichten rauskommt, das macht sie so besser als jede andere meiner Klampfen.

LG
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Re: P-90 im Humbuckerformat

Beitragvon lemmy » Samstag 4. Juli 2015, 02:08

Dominos hatte ich mal in eine SG eingebaut. Die gefielen mir aber garnicht. Wirkten eher schwachbrüstig und flach.
Im Gegenzug dazu gefielen mir die Soapbars des selben Herstellers ausgesprochen gut. Sogar so gut das bis heute einer in Halsposition meiner geliebten Epiphone SG verweilt.
In der SG eines Bekannten konnte ich die Seymour Duncan Phat Cat's einmal anspielen. Bei diesen stellte sich ein ähnliches Spielgefühl wie bei den Dominos ein.

Daher würde ich HB P90er auch eher als eigene Gattung sehen.

Vor ein paar Jahren hatte ich mal eine Epiphone LP Junior mit einem P100. Das war ein echt super PU. Leider war ich so doof die Junior zu verkaufen :mad01:
Gruß, Daniel
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Re: P-90 im Humbuckerformat

Beitragvon Magman » Samstag 4. Juli 2015, 09:23

lemmy hat geschrieben:Vor ein paar Jahren hatte ich mal eine Epiphone LP Junior mit einem P100. Das war ein echt super PU. Leider war ich so doof die Junior zu verkaufen :mad01:


Der Gibson P100 ist ja kein Einspuler sondern ein Doppelspuler, sprich Humbucker. Prinzipiell ist das auch kein schlechter Pickup. Es kommt darauf an in welcher Gitarre er sich aufhält und welche Mucke man damit machen möchte. Viele Jazzer lieben genau diesen Pickup weil er die Höhen kappt.

Prinzipiell ist also ein P90 im HB Gehäuse immer eine Art Kompromiss. Es gibt viele Gitarren die alleine wegen der Optik auf diese Größe und Form bauen. Man liest aber hier und da und besonders hier von sehr guten Ergebnissen was diese Pickups von GFS oder Tonerider betrifft. Ich empfehle gerne auch die Tesla Opus Pickups die ich schon öfters auf Kundeninstrumenten verbaut habe. Sehr gutes PLV!
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Re: P-90 im Humbuckerformat

Beitragvon Batz Benzer » Samstag 4. Juli 2015, 09:26

Magman hat geschrieben:Prinzipiell ist also ein P90 im HB Gehäuse immer eine Art Kompromiss.


Aber auch nur dann, wenn man den typischen P-90-Ton erwartet; damit das in Zukunft möglichst wenig der Fall ist und jeder weiß, was ihn erwartet, habe ich diesen Thread eröffnet. ;)


Lieben Gruß,

Batz. :smoke01:
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Re: P-90 im Humbuckerformat

Beitragvon Magman » Samstag 4. Juli 2015, 09:43

Richtig, gut ist das was gefällt 8-)

BTW: meine Erfahrung sagt das es Instrumente gibt die mit bestimmten/speziellen Pickups erst ihre Stärken zeigen, es Instrumente gibt die egal mit Welchen Pickups immer charaktervoll nach sich selbst klingen und es viele viele Instrumente gibt die egal mit welchen Pickups immer "totmüde" klingen. Die Hersteller leben von uns und vor allem von der Gattung der letztgenannten Spezies 8-)
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