Unterschiedliches Holz, unterschiedliche Töne

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Re: Unterschiedliches Holz, unterschiedliche Töne

Beitragvon tommy » Freitag 14. November 2014, 13:59

NoiseZone hat geschrieben:Also ich bin bei weitem kein Holzexperte.

Aber Mahagoni klingt schon sehr eigen (mittig ?) finde ich.



...ok, vielleicht habe ich mich etwas weit aus dem Fenster gelehnt....aber:

...welches Mahagoni meinst Du?
Um Deine Aussage belegen zu können, müsste man m.E. erst einmal festlegen, welche Gitarrenform mit welcher Hardware etc. man überhaupt als Referenz festlegt, was ja schon mal unmöglich ist. An dieser (Hardware) werden dann verschiedene Holzplanken (immer in der Referenzform) "angebaut". Ich bin überzeugt, dass diverse Mahagonivarianten überhaupt nicht so klingen, wie man es erwartet. Im Gegenzug denke ich, dass die ein oder anderere mahagonifremde Holzart durchaus plötzlich den als Mahagonieton bezeichneten Klang aufweist.

Ich denke, die meisten Gitarristen sind auf bestimmte Hölzer in den einschlägigen Gitarren (z.B. Les Paul) konditioniert. Das ganze wird dann von den Herstellern auch meist bedient. Unsere diesbezügliche Programmierung kann aber sehr trügerisch sein, wie ich selbst schon erfahren musste. Die vermeintliche Mahagoni Les Paul entpuppte sich trotz eindeutigen Les Paul Trademarksound (mittig, wie Du schriebst und warm mit viel Sustain) beim Blick ins E-Fach als Birkenmultiplex Planke. Ebenso hatte ich mal eine sehr analytisch laut, fast spitz klingende CG Winner, deren Datenblatt Mahagoni als Korpusholz aufwies.

Ich hoffe, ich konnte mich verständlich machen, ist ein schwieriges Thema. Es ist so der Tenor: "Kann, ist oft auch so, muss aber nicht" und ausserdem ist mir keiner bekannt, der diesem Thema mal sattelfest auf den Grund gegangen ist".
LG Tommy


Ich wünsch' mir einen Dudelsack!
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Re: Unterschiedliches Holz, unterschiedliche Töne

Beitragvon partscaster » Freitag 14. November 2014, 14:40

tommy hat geschrieben:
Anders ausgedrückt: Die endgültige Aussage "Mahagoni klingt warm etc." ist für mich Quatsch. Entscheidender dürfte die Gesamtkomposition im wichtigen Zusammenspiel mit Sattel und Stegbeschaffenheit sein. Wenn man dann die benötigte Saitenschwingung (und nichts anderes ist notwendig) erhält, die die entsprechenden PUs für einen bestimmten Sound benötigen, ist man am Ziel.


Dazu kann ich gleich mal eine ganz frische Beobachtung teilen:

Die Warmoth Strat, die ich grad vom Magman erworben habe, klingt trotz Korina Body absolut nicht dunkel oder wollig, sondern eher spritzig und durchsetzungstark.
Ich habe aus purer Neugier einfach mal den Hals und das Pickguard mit der gesamten Elektrik an/in einem anderen Korpus montiert, einen Fender Korpus mit einem baugleichen Vibrato. Der Body sollte - laut Fender - Erle sein.

Auf jeden Fall ist es so, dass diese Kombination vollkommen (!) anders klingt, als die ursprüngliche mit dem Korina Body. :shock: Verhaltener in den Höhen, wesentlich mehr Bässe, etwas "undifferenzierter" in den Mitten. Absolut nicht schlechter, aber wirklich komplett anders! Ausserdem hat sie weniger Twang und wirkt "langsamer". Weil mich das echt faziniert hat, habe ich einfach nochmal das Pickguard mit der Elektronik getauscht, gegen eines mit Tex Mex Pickups und Standard-Strat-Schaltung. Tja, was soll ich sagen, es gibt zwar einen kleinen Unterschied zu den DiMarzios... aber der wäre per Blindtest nach 3 maligem Tauschen 100%ig nicht mehr klar herauszuhören, so gering kommt er mir vor.

Mit dem Fender Korpus schwingt die ganze Gitarre übrigens wesentlich stärker, also so, dass es einem die linke Hand durchschüttelt. Das ist meiner Erfahrung nach aber gar nicht mal so gut, weil es die Gitarre "schwerfälliger" und "träger" macht und Sustain klaut. Deckt sich auch mit dem "langsamer" Gefühl von weiter oben. Und das macht der Korpus mit dem eigentlich verbauten (billigen) Ahornhals mit Ahorngriffbrett auch nicht so heftig.

Bisher hatte ich eher die Erfahrung gemacht, dass der Hals viel ausmacht. Nun ist das wieder über den Haufen geworfen worden. :kopf_kratz01: Am Ende ist es wohl immer die Kombination aus allen Teilen und ne große Portion Zufall.

Daher kann ich dem Tommy nur zustimmen!

Batz Benzer hat geschrieben:Im Laden war die klasse, aber je länger man sie spielte, desto wärmer und runder wurde sie, was mir dann beim bereits warmen und runden Basswood zo viel Wärme und Rundheit wurde, damit der Snap und Twang dann gänzlich fehlte.


Ja, da ist was dran, mir fällt da als erstes "HiFi" ein. Gefällig und schön... aber so gar nicht Rock 'n' Roll oder eckig. :smoke01:
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Re: Unterschiedliches Holz, unterschiedliche Töne

Beitragvon MiBe » Freitag 14. November 2014, 19:46

Zu dem Thema könnte ich jetzt einen schönen Test mit Magmann machen.

Martin, Du kennst doch meine grüne Paisley Tele vom Nick recht gut. Welches Korpusholz wurde verbaut?
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Re: Unterschiedliches Holz, unterschiedliche Töne

Beitragvon Magman » Samstag 15. November 2014, 15:29

MiBe hat geschrieben:Zu dem Thema könnte ich jetzt einen schönen Test mit Magmann machen.

Martin, Du kennst doch meine grüne Paisley Tele vom Nick recht gut. Welches Korpusholz wurde verbaut?


Micha ich bin mir nicht mehr hundertprozentig sicher, aber ich meine zu wissen es wäre Erle. Meine ist ja auch aus einem sehr alten Blank Erle gebaut.
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Re: Unterschiedliches Holz, unterschiedliche Töne

Beitragvon Fantomas » Dienstag 18. November 2014, 21:23

Ja klar unterscheiden sich Hölzer im Klang! Das hängt mit der Dichte des Holzes und der daraus resultirendem spezifischem Gewicht zusammen.
Daraus ergibt sich die Resonanzfrequenz des Holzes/ Materials.

Beispiel: Mahagoni hat ein ca. spezifisches Gewicht von 0,50 gr./cm³ . Als Tropenholz führt er mit bloßem Auge sichtbare Kappilare. Also ein wenig dichtes, leichtes Material. Resultat: Mahagoni schluckt einen erheblichen Teil der Höhen, der Ton der Gitarre wird als warm und rund, fett empfunden.

Gegenbeispiel: Das amerikanische Bergahorn hat einen sp. Gew. von 0.78 gr./cm³ Seine feinen Kappilare sind nur unterm Mikroskop sichtbar. Das Zeug ist sehr hart, dicht und schwer. Resultat: Die eingegebene Amplitude wird nur langsam abgebaut (Sustain), der Ton ist sehr obertonreich .

Eine Gitarre ganz aus amerikanischem Bergahorn fällt also nicht nur schwer aus, sondern auch extrem höhenbetont.

Bei zeitgemäßen Konstruktionen werden die unterschiedlichen Klangeigenschaften der Hölzer sinnvoll "zusammengeschaltet" .

Z.B ein knallharter Ahornhals mit Swamp Ash Body. Naja, "zeitgemäß" , es gibt 50 Jahre alte Gitarren , die sind so gemacht!

Hoffe, konnte etwas Klarheit zu diesem "Mysteriösem Thema" beisteuern.

Gruß, Ede
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Re: Unterschiedliches Holz, unterschiedliche Töne

Beitragvon MiBe » Dienstag 18. November 2014, 21:33

Magman hat geschrieben:
MiBe hat geschrieben:Zu dem Thema könnte ich jetzt einen schönen Test mit Magmann machen.

Martin, Du kennst doch meine grüne Paisley Tele vom Nick recht gut. Welches Korpusholz wurde verbaut?


Micha ich bin mir nicht mehr hundertprozentig sicher, aber ich meine zu wissen es wäre Erle. Meine ist ja auch aus einem sehr alten Blank Erle gebaut.


Nein, der Korpus ist aus Mahagoni. :o
Ich könnte es selbst kaum Glauben und habe deshalb heute den Nick extra noch mal die Gitarre prüfen lassen.
Der Hals ist aber "konventionell" aus Ahorn und Palisander gebaut.
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Gruß, Michael
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Re: Unterschiedliches Holz, unterschiedliche Töne

Beitragvon Roger X » Mittwoch 19. November 2014, 11:36

Hi,
meine Thinline Tele besitzt einen sehr harten Ahornhals und der Korpus ist aus Mahagoni.
Sie knallt wie eine Tele das tun soll und hat trotzdem auch diese spezielle Wärme im Ton.

Ich denke auch, daß das Zusammenspiel Body und Hals am wichtigsten ist, nicht nur der Hals allein macht den Sound.

Grüße :banana02:
roger
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Re: Unterschiedliches Holz, unterschiedliche Töne

Beitragvon Wizard » Mittwoch 19. November 2014, 13:41

Roger X hat geschrieben:Ich denke auch, daß das Zusammenspiel Body und Hals am wichtigsten ist, nicht nur der Hals allein macht den Sound.


So ist es. Einige behaupten ja es käme nur auf den Hals an, was ich für ein Märchen halte.
Gruß Peter

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Re: Unterschiedliches Holz, unterschiedliche Töne

Beitragvon Magman » Mittwoch 19. November 2014, 13:45

Wizard hat geschrieben:
Roger X hat geschrieben:Ich denke auch, daß das Zusammenspiel Body und Hals am wichtigsten ist, nicht nur der Hals allein macht den Sound.


So ist es. Einige behaupten ja es käme nur auf den Hals an, was ich für ein Märchen halte.


Nicht nur der Hals, aber in erster Linie der Hals! So ist es dann korrekt.

Oder wie Nick Page das sehr passend formuliert: „der Hals macht den Attack, der Body den Bottom!“ ;)
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Re: Unterschiedliches Holz, unterschiedliche Töne

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 19. November 2014, 14:15

Ich schließe mich an: Der Hals ist meiner nicht gerade geringen Austausch-Erfahrung zufolge wesentlich klangbeeinflussender als der Korpus; die klangliche Identität des Instruments wandert also eher mit dem Hals denn mit dem Korpus.

Lieben Gruß,

Batz. :smoke01:
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- George Martin
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