Der Gretsch Electromatic-Thread

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Der Gretsch Electromatic-Thread

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 22. Oktober 2014, 14:11

Prolog: Schottland 1989, ich war auf Klassenfahrt in Whiskyland. Ich weiß nicht mehr, in welcher Stadt es passierte (siehe: Whisky ;o), aber ich weiß noch genau, wie es kam: Seit jeher habe ich einen Riecher für die Orte, wo sich Gitarrenläden verbergen; aus der Suche nach einem solchen sahen wir am Ende der Straße die Schaufenster eines Shops, der mit schönen Gitarren nicht geizte. Dort angekommen brach mein Herz: Mitten im Fenster, umringt von anderen Schönheiten, sah ich nur diese Gretsch White Falcon – und es war endgültig um mich geschehen!

Was ich nie vergessen werde, war das Preisschild: An allen anderen Klampfen klemmte auch so ein Zettel mit Zahlen, nur auf dem Tag der White Falcon konnte man statt Ziffern folgende Worte lesen: LOTS OF MONEY...!

Insofern habe ich mich abgrundtief gefreut, dass die Firma Gretsch im 21. Jahrhundert eigene preiswerte Exemplare der teuren Originale anbietet, die nur den Bruchteil der altvorderen Schätze kosten: Die Electromatic-Serie knalle in unser aller Leben!

Im Jetzt und Hier: Mann, hab ich ein Glück, derartig Gretsch-Fanboy zu sein, dass ich die ganzen Kataloge aufgehoben habe. Denn mit Hilfe dieser ist es mir möglich, grob die Geschichte der Gretsch Electromatic-Serie nachzuzeichnen; zumindest möchte ich ebendies hiermit versuchen.

Leider lässt die Historie nur begrenzt nachvollziehen – zu viele Produkte finden sich erst gar nicht in den Katalogen, daher folgender Aufruf: Sollte jemand in der Lage sein, die hier dargebotenen Informationen zu ergänzen, würde ich mich sehr freuen.

Jetzt aber mal in medias res: Die Electromatic-Serie versteht sich als preiswerte Alternative zu den teuren Gretsch-Produkten made in Japan und USA und wurde, bzw. wird primär in Korea und China gefertigt.

Erste Erwähnung findet die Serie im Katalog von 2004, womit die Electromatics dieses Jahr 10 Jahre alt werden dürften – wie passend, sich im Zuge dessen einmal genau mit dem entsprechenden Exponaten auseinander zu setzen.

Die hier dargebotenen Gretsches waren klassische 16“-Hollowbodys mit Bigsby und U.S. DeArmond 2000 Single Coils... und absolut unspielbar. Watt, wer, wie, unspielbar?

Nun, es scheint, als wären die ersten Electromatics nur aus optischen Gründen gefertigt worden; funktional wären sie auch insofern ein Diseater als es eine mit dem Korpus verschraubte Tun-o-matic und ein Bigsby B3 gemeinsam nicht können, ohne dass die Saiten permanent aus den Reitern springen. Es braucht entweder ein Bigsby mit Andruckrolle oder aber eine Brücke auf Holzfuß, so dass der Halswinkel derart gewählt werden kann, dass genug Andruck auf dem Steg lastet.

Reine Katalog-Gitarren also; was damals ausgeliefert wurde, kann ich leider nicht mehr rekonstruieren: Es muss sich aber um eine der oben beschriebenen Varianten gehandelt haben, die es infolge auch beide zu kaufen gab. Ich weiß nur nicht, welche zuerst kam.

So gibt es also Electromatics mit Andruckrolle, die aus dem Peerless-Werk (Seriennummer mit KP beginnend) stammen sollen sowie Elecs mit Holzsteg, für die Samick (Seriennummer mit KS beginnend) verantwortlich zeichnen soll. Ich vermute, dass die Peerless die ersten waren und man dann zur klassichen Variante mit B3 wechselte, zumal das Samick-Werk wohl günstiger fertigt als jenes Werk, aus dem die Peerless stammen.

Ich hatte beide Varianten zeitgleich und kann beiden einen guten Ton attestieren; die DeArmonds sorgen auf beiden Varianten für einen klassischen Gretsch-Sound à la Duane Eddy.

Es gab sie in folgenden Farben: Schwarz (G5125), Silver Sparkle (G5126), Light Blue (G5127), Gold Sparkle (G5128) und Rot (G5129). Später gab es noch ein Sondermodell in weiß (G5124), welches als einziges keine schwarzen, bzw. dunkelbraunen Zargen und Boden auswies, sondern komplett weiß war.

Ferner gab es ein Elliot Easton-Modell aus der Electromatic-Serie in Green Sparkle, eine Solidbody mit verkleideten PAFs sowie B7-Bigsby (zwei abweichende Ausführungen, ein „billig“ aussehenes Bigsby sowie ein klassiches B7).

Im Katalog von 2006 haben die abgebildeten Elecs dann endlich auch den Holzsteg. Ferner gibt es ein als Sondermodell angekündigtes orangenes Exemplar (G5120, ebenfalls in schwarz und sunburst erhältlich), ebenfalls mit optisch verfiltertronten PAFs, welches zunächst mit Andruckrolle (Peerless, mehrschichtiges Binding), dann ohne und mit Holzsteg (Samick, einfaches Binding) ausgeliefert wurde; diese Instrumente hatten ein transparentes Pickguard.

Überdies finden im Jahr 2006 erstmals Solid Body-Electromatics Erwähnung: Als Pro Jet, bzw. Double Jet (zwei Cutaways) gab es sie mit und ohne B5-Bigsby; die PUs sind zwar sehr leistungsschwach, aber von TV Jones klangdesigned und klanglich entsprechend authentisch.

Ergänzt um die Corvette (G5135), die erstmals mit Filtertrons ausgestattet ist, der rechteckigen Bo Diddley (G5810, bzw. -50 mit einem, bzw. zwei Pus) sowie der G5265 Jet Baritone mit B5, die eher der noch preisgünstigeren Synchromatic-Serie mit ihren Schraubhälsen entsprungen scheint, den einfach gestalteten G5259 Special und Junior Jets, tauchen auch zum ersten Mal die beiden Lap Steels (G5700, sunburst / G5715, schwarz) auf. Sogar ein doppelhalsiges Modell gab es: Die G5566 Double Jet in Silver Sparkle, ebenfalls eher mit den Synchromatics verwandt.

Im Katalog von 2008 werden all diese Modelle weiterhin angeboten. Keine Erwähnung findet ein Sondermodell der G5120 in weiß.

2011 kamen die Tim Armstrong Signature-Hollow Body sowie die Patrick Vaughn Corvette-Variante mit 3 Filtertrons raus. Überdies gibt es mit der G5122DC erstmals eine DoubleCut-Hollow Body; die Schlagbretter sind nun silber.

Tja, und da verließen sie ihn: Nach 2011 besitze ich leider keinen Katalog mehr. Aber meine Erinnerung: Es muss wohl 2012 oder -13 gewesen sein, dass die aktuellen Modelle G5420T (Single Cut) sowie G5422DC (Double Cut) erschienen, nunmehr mit den ebenfalls authentisch klingenden BlackTop-Filtertrons ausgestattet; nach der PAF-Phase die Rückbesinnung auf „That Great Gretsch Sound“. Außerdem verzichtete man auf die bislang verwendeten Thumb-Inlays zugunsten der Hump-Blocks.

Auch hier gab es Sondermodelle: Abseits der Standard-Farben Schwarz, Aspen Green, Orange und Sunburst gab es eine G5420T in dunkelgrün sowie eine G5422DC in Amber Stain – hier sind die Standardfarben Schwarz, Weinrot und Weiß (Snow Crest White). Kurze Zeit gab es auch die Farbe Cherry Blossom, die auf einen Farbmischfehler (es ist Rot ins Weiß geraten) zurückgeht. Ganz aktuell hat Gretsch eine G5420T Silver Sparkle Special Run im Angebot, bei der das erste Mal die originalen Betzels (PU-Rahmen) verbaut wurden - quite authentic! ;)

Mittlerweile haben auch die Solid Body-Modelle Blacktrons, sind aber seitdem auch mit dem zweifelhaften „Weight Relief“ ausgestattet, was bedeutet, dass sie Hohlkammern haben.

Und genau da stehen wir derzeit. Gitarren der hier einzeln aufgeführten Instrumente können imme rmal in kleinen Details abweichen (z.B. Binding oder F-Lochform), so dass entweder nicht aufs genaue Kopieren wert gelegt wurde oder auch mal das Werk gewechselt wurde – all das ist leider nicht recherchierbar und interessiert vielleicht auch eher nur mich. ;-)

Zusammenfassend kann man dem jetzigen Mutterkonzern Fender nur dankbar sein, dass es diese herrlichen Gitarren mit ihrem Cadillac-Aussehen und ihrem typischen Klang mittlerweile auch für vernünftiges Geld zu kaufen gibt; wir leben in goldenen Gretsch-Zeiten, noch nie gab es so viele so gute Instrumente der einst in New York ansässigen Firma.

Lieben Gruß,

Batz. :smoke01:
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Re: Der Gretsch Electromatic-Thread

Beitragvon Chrissi » Mittwoch 22. Oktober 2014, 14:50

Danke für diesen sehr schön lesbaren Thread! Ich bin ja großer Fan von Gretsch Gitarren und überlege auch schon länger, mir eine zuzulegen.

Von den angespielten hat sich bisher diese http://www.session.de/GRETSCH-G5620T-CB-Electromatic-Center-Block-GRN.html?listtype=search&searchparam=gretsch herausgestellt, zum Kauf fehlt nur noch ein Quäntchen, mal das Geld & mal der Mut :irre01:
Viele Grüße,
Christian :smoke01:
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Re: Der Gretsch Electromatic-Thread

Beitragvon DocBrown » Mittwoch 22. Oktober 2014, 17:52

Oh ja, die Center Block Dinger sind großartig. Ich konnte letztens eine im ansässigen Store, leider nur "trocken", probespielen.
Gefiel mir auf Anhieb, gute Verarbeitung, die Saitenlage war superb und der trockene Sound war auch nicht ohne. Etwas "strammer" als bei den Hollows aber immer noch recht "laut" und sehr schwingungsfreudig.

ABER: Das Teil war schwer... seeeeehr schwer... :(
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Re: Der Gretsch Electromatic-Thread

Beitragvon Batz Benzer » Mittwoch 22. Oktober 2014, 18:19

Gut, das sIhr es erwähnt, glattes Versäumnis meinerseits: Die Centerblock-Gitarren!

Schon witzig, dass Gretsch das Fallenlasen eines "Trademarks" so feiert; aber solange derart interessante Gitarren dabei rauskommen, will ich nicht meckern.

Für manche evtl. "ihre" Gretsch und sicher den Test wert!

Merci,

Batz.
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Re: Der Gretsch Electromatic-Thread

Beitragvon Manuel » Mittwoch 22. Oktober 2014, 21:29

Batz Benzer hat geschrieben:Auch hier gab es Sondermodelle: ... eine G5420T in dunkelgrün ...


Caddilac Green heist das! :motz01:

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Re: Der Gretsch Electromatic-Thread

Beitragvon Magman » Mittwoch 22. Oktober 2014, 22:45

Aaaaaaaahhhhhh ist dieser Caddilac Green Kübel so geil *hier sollte ein Sabber Smiley sein!
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Re: Der Gretsch Electromatic-Thread

Beitragvon Administrator » Donnerstag 23. Oktober 2014, 07:36

Extra für dich!

:sabber:

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Re: Der Gretsch Electromatic-Thread

Beitragvon Batz Benzer » Donnerstag 23. Oktober 2014, 08:28

Manuel hat geschrieben:
Batz Benzer hat geschrieben:Auch hier gab es Sondermodelle: ... eine G5420T in dunkelgrün ...


Caddilac Green heist das! :motz01:

Bild

:mrgreen:

Grusz,

Manuel


Jepp, offiziell heißt die Farbe zwar so, entspricht aber nicht jendem Cadillac Green der großen Schwestern; daher bin ich einfach mal bei Dunkelgrün geblieben. ;)

Gruß,

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Re: Der Gretsch Electromatic-Thread

Beitragvon Manuel » Donnerstag 23. Oktober 2014, 08:52

Moin!

Caddilac Green war bei Gretsch wohl schon immer ein dehnbarer Begriff.

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Nicht nur bei den neuen Electromatics, auch bei den Antiken ...
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Re: Der Gretsch Electromatic-Thread

Beitragvon Batz Benzer » Donnerstag 23. Oktober 2014, 08:55

Die altern ja auch unterschiedlich; schaut man sich Katalogphotos von 2003 bis heute an, ist die Farbe kontant geblieben. Ob das auf die Ladies aus den 50ern bis Ende des Jahrhunderts zutrifft, kann ich nur beurteilen, wenn mir jemand kurz seine Zeitmaschine leihen würde... :ugeek:

Gruß,

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