Gitarrenbau, Relic und Qualität

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Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon uwich » Montag 9. März 2015, 21:29

Beispiel (fiktiv, ich kenne die echten Zahlen nicht):

eine normale Gitarre (z. American Standard Strat) kostet in der Herstellung 500 Euro und wird mit Listenpreis 1300 Euro verkauft. Also 800 Euro pro Gitarre Marge für Vertrieb, Zwischenhändler, Gewinn etc.......

Ein Teil dieser Gitarren geht in den "Relic-Prozeß", der (als Beispiel) 300 Euro Extrakosten verursacht. Die Hälfte dieser Gitarren ist danach so schlecht, daß sie in den Schredder gehen, die andere (bessere) Hälfte geht in den Vertrieb und wird mit Listenpreis 2600 Euro verkauft. Bei 2 Gitarren hatte man dann also 2 x 800 = 1600 Euro Kosten in der Herstellung gehabt und einen Überschuß von 1000 Euro für die verkaufte "Relic" Strat

Dadurch, daß man die "schlechte" Relic vernichtet, schafft man den Mythos, "Relic" sei besser als "normale" Strat und die Leute sind bereit, den doppelten Preis zu zahlen.

Dies ist nur ein Erklärungsbeispiel, wie ich meine Hypothese oben meinte. Ich habe keine Ahnung, ob es so oder ähnlich ist. Ich weiß aber, daß Geschäftsleute grundsätzlich so und ähnlich denken und finde dies auch O.K.

Probleme habe ich nur mit der Hypothese, "relicted" Gitarren seinen grundsätzlich besser als "normale" Gitarren. Diese Hypothese kann ich nicht glauben. Einzelbeispiele gibt es immer, diese sind aber nicht allgemeingültig. Dieses Beispiel soll aufzeigen, wie man einen Mythos betriebswirtschaftlich schaffen und gestalten kann.
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Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon partscaster » Montag 9. März 2015, 21:41

uwich hat geschrieben:
Ein Teil dieser Gitarren geht in den "Relic-Prozeß", der (als Beispiel) 300 Euro Extrakosten verursacht. Die Hälfte dieser Gitarren ist danach so schlecht, daß sie in den Schredder gehen, die andere (bessere) Hälfte geht in den Vertrieb und wird mit Listenpreis 2600 Euro verkauft. Bei 2 Gitarren hatte man dann also 2 x 800 = 1600 Euro Kosten in der Herstellung gehabt und einen Überschuß von 1000 Euro für die verkaufte "Relic" Strat


Niemals! Wer sollte das denn beurteilen, ob die nun besser oder schlechter sind. Ich befürchte (eigentlich möchte ich sogar sagen, dass ich mit an Sicherheit angrenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehe), dass die Gitarren nicht mehr "gespielt" werden, als ein kurzes "Rrrrring" über die Saiten, nachdem das Grundsetup gemacht wurde und sie in den Karton wandern. Die werden definitiv nicht selektiert, das wäre viel zu teuer und ist ja auch eine sehr, sehr subjektive Angelegenheit.
Nicht umsonst suchen sich die "Boutique"-Händler oder deren Einkäufer selbst - also eigenhändig - bei den Vertrieben ihre Sahnestücke aus.

Grüße
Michael
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Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Wizard » Montag 9. März 2015, 22:42

Hier gibt's ja echt abenteuerliche Vorstellungen einer Relic :mrgreen:
Bei Fender sieht das so aus, dass eine als Relic bestimmte Gitarre von vornherein besseres/älteres/trockeneres (sucht euch eins bis alles aus) Holz ist.
Dünne Lackschichten, die ne Relic ja meist hat, sind nur ein kleiner Teil des netten Klangs. Alles weitere dient nur der Optik.

PS: Na ja, die Pickups sind bei Relics ja oft auch noch behandelt worden (z.B. weniger Wicklungen). Also, Relic summa summarum...
Gruß Peter

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Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Bencaster » Dienstag 10. März 2015, 10:58

Diet hat geschrieben:
Der Unterschied war verblüffend heftig! Die Relic war die deutlich bessere Gitarre in Sachen Ansprache, Dynamik bzw. Lebendigkeit.
Ich konnte da eindeutig für mich von "besser" sprechen, nicht nur von anders.

Ob das nun wirklich der Grund ist, keine Ahnung.

Gruß Diet


Hi Diet,

bin da absolut deiner Meinung - die Erfahrung habe ich auch gemacht. Nicht mit Thorndals, wohl aber mit mehreren 7 Strats (von bezahlbar bis unbezahlbar).
Gruß
PLAY LOUD
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Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Batz Benzer » Dienstag 10. März 2015, 11:30

Wizard hat geschrieben:Hier gibt's ja echt abenteuerliche Vorstellungen einer Relic :mrgreen:
Bei Fender sieht das so aus, dass eine als Relic bestimmte Gitarre von vornherein besseres/älteres/trockeneres (sucht euch eins bis alles aus) Holz ist.
Dünne Lackschichten, die ne Relic ja meist hat, sind nur ein kleiner Teil des netten Klangs. Alles weitere dient nur der Optik.

PS: Na ja, die Pickups sind bei Relics ja oft auch noch behandelt worden (z.B. weniger Wicklungen). Also, Relic summa summarum...


Hallo Peter,

meines Wissens wird im Custom Shop für CC-, NOS- und Relic-Gitarren dasselbe Holz verwendet. Dieses sollte natürlich nach Möglichkeit nur die besten Klangeigenschaften haben, ungeachtet von der späteren Ausführung (meine eigene CS wurde seinerzeit zwei Mal zurückgeschickt, weil das Holz nicht ordentlich getrocknet war).

Die Pickups haben soweit ich weiß in der Regel nicht weniger Wicklugen, sondern die Magneten werden geschwächt, um den Alterungsprozess zu imitieren.

Bitte korgiert mich, wenn ich mich irren sollte.

Lieben Gruß,

Batz.
"Lennon was the soul of the Beatles, Harrison was the spirit, Paul was the heart, and Ringo was the drummer."

- George Martin
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Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Magman » Dienstag 10. März 2015, 11:56

Batz Benzer hat geschrieben:
Bitte korgiert mich, wenn ich mich irren sollte.

Lieben Gruß,

Batz.


Du irrst nicht Batz. CS Gitarren sind nicht aus anderen, speziellen, oder selektierten Hölzern gemacht, sondern ganz normale Serie. Es gab da auch mal eine Video Doku wo man das deutlich gesehen hat. Wurde von 7 ganz schnell aus dem Verkehr gezogen :? :shock:

Nicht desto trotz sind viele 7 CS Relic Gitarren toll gemacht. Aber mMn vieeeeeel zu teuer für das was sie eigentlich leisten! Aber das ist ja das auf das ich rauswollte, viele Leute kaufen diese Gitarren nur mit den Augen :geek:
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Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Mintage » Dienstag 10. März 2015, 13:33

Zitat Urwich:

"...eine normale Gitarre (z. American Standard Strat) kostet in der Herstellung 500 Euro und wird mit Listenpreis 1300 Euro verkauft. Also 800 Euro pro Gitarre Marge für Vertrieb, Zwischenhändler, Gewinn etc......."

Wenn die Kosten zur Herstellung einer serienmäßigen American Standard Strat 500,- Euro betragen würden, dann hätten die Material-Einkäufer ihren Job schon längst verloren !

Ich stelle immer wieder fest, das gerade Gitarristen davon ausgehen, das teure Gitarren auch teuer in der Herstellung wären...
das billigste ist das Holz - das teuerste - da aufwändig - ist die Lackierung.

Bei Kleinst-Anbietern wie Tandler oder Huber ist das anders - bei den Massenherstellern jedoch nicht.
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Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon setneck » Dienstag 10. März 2015, 13:44

Mintage hat geschrieben:Zitat Urwich:

"...eine normale Gitarre (z. American Standard Strat) kostet in der Herstellung 500 Euro und wird mit Listenpreis 1300 Euro verkauft. Also 800 Euro pro Gitarre Marge für Vertrieb, Zwischenhändler, Gewinn etc......."

Wenn die Kosten zur Herstellung einer serienmäßigen American Standard Strat 500,- Euro betragen würden, dann hätten die Material-Einkäufer ihren Job schon längst verloren !

Ich stelle immer wieder fest, das gerade Gitarristen davon ausgehen, das teure Gitarren auch teuer in der Herstellung wären...
das billigste ist das Holz - das teuerste - da aufwändig - ist die Lackierung.

Bei Kleinst-Anbietern wie Tandler oder Huber ist das anders - bei den Massenherstellern jedoch nicht.


uwich hat geschrieben:Beispiel (fiktiv, ich kenne die echten Zahlen nicht):

...

Dies ist nur ein Erklärungsbeispiel, wie ich meine Hypothese oben meinte. Ich habe keine Ahnung, ob es so oder ähnlich ist. Ich weiß aber, daß Geschäftsleute grundsätzlich so und ähnlich denken und finde dies auch O.K...


Es ging da wohl nicht um Zahlen, sondern ums Modell!
Schöne Jrööss,
Thomas
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