Gitarrenbau, Relic und Qualität

Alles über Stromruder

Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon MiBe » Freitag 6. März 2015, 22:00

Nun ja,

Gitarren bauen ist keine Raketenwissenschaft. Und wer als prof. Gitarrenbauer es noch schafft Nasen zu lackieren, sollte sich über seine Berufswahl gedanken machen.

Ich weiß, das Fender bei den Relics und Heavy Relics beim lackieren auf die Grundierung verzichtet, und mit weniger Schichten und vor allem Zwischenpolituren arbeitet.
Das spart schon mal kosten. Aber das relicen der Hardwareteile ist auch nicht nebenbei erledgt. Zumindest wenn es einigermasen authentisch aussehen soll.

Andererseits schaffen es die Chinesen in der Massenproduktion Gitarren ohne die winzigsten Verarbeitungsmängel zu bauen. Und das für VK <300,-€ in Deutschland.
One Life. Live it.

Gruß, Michael
Benutzeravatar
MiBe
 
Beiträge: 706
Registriert: Donnerstag 16. Oktober 2014, 16:29
Wohnort: Nordbaden

Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Diet » Freitag 6. März 2015, 23:15

Hi Mag,

ich verstehe nicht so ganz, was Du meinst.
Mängel kann man doch auch bestens unter perfekten Lackschichten verstecken.

Und Mängel, die man ansonsten sieht, schiefe Sattelkerben, falsch sitzende Sättel, schlechte Halstaschen etc. sieht man
mit und ohne relic. Dass man durch relic etwas verstecken könnte, erschliesst sich mir nicht wirklich.

Dass Kunden heute mehr Geld ausgeben und bedenkenloser kaufen und dadurch schlechteres besser und teurer
an den Mann zu bringen ist dagegen schon. Das liegt vielleicht auch etwas am bequemen online Kauf.
Klar, wenn die Gitarre einem dann nicht gefällt, dann kann man sie zurückschicken, gut und schön.
Was aber dabei fehlt, ist der Vergleich, den man nur in einem gut bestückten Laden hat. Oder eben aus langer Erfahrung.

Gruß Diet
P.S.: Hab mir noch nie irgendwas mit relic gekauft! Und auch noch nie eine Gitarre über 1900 Euro!
Und bisher nur vier mal eine Gitarre über 800 Euro! ;) :)
Benutzeravatar
Diet
 
Beiträge: 3298
Registriert: Dienstag 21. Oktober 2014, 20:32

Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon partscaster » Samstag 7. März 2015, 01:28

In der gehobenen Preisklasse hatte ich bisher noch nicht den Eindruck, dass da Mängel durch die künstliche Alterung versteckt werden sollten. Bei günstigeren Instrumenten jedoch lag der Gedanke das eine oder andere Mal schon näher, dass sich da weniger Mühe gegeben wurde, weil " ja später sowieso Macken reingekloppt werden".
Ich bin da ganz romantisch und gehe davon aus, dass zumindest die kleineren Firmen - und eigentlich auch die großen - noch etwas besonderes schaffen wollen und nicht so berechnend vorgehen. Ich nehme den meisten sogar ab, dass sie tatsächlich versuchen immer näher an die Originale zu kommen. Und das nicht ausschließlich zur Gewinnmaximierung.
Ich weiß, büschen naiv - aber eben romantisch! :mrgreen:

Grüße
Michael
partscaster
 
Beiträge: 2823
Registriert: Dienstag 21. Oktober 2014, 18:58

Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Magman » Samstag 7. März 2015, 11:17

Diet hat geschrieben:Hi Mag,

ich verstehe nicht so ganz, was Du meinst.
Mängel kann man doch auch bestens unter perfekten Lackschichten verstecken.

Und Mängel, die man ansonsten sieht, schiefe Sattelkerben, falsch sitzende Sättel, schlechte Halstaschen etc. sieht man
mit und ohne relic. Dass man durch relic etwas verstecken könnte, erschliesst sich mir nicht wirklich.


Schwer zu erklären Dieter. Aber bevor ein Gitarrenbauer eine Gitarre durch einen Lackfehler, oder Dellen und Schrammen die durch einen Sturz entstanden sind "in die Ecke" stellt wird sie halt etwas mehr malträtiert und als Relic verkauft.

Zwischendurch:
Ich hatte ne blonde Squier Bullet Strat in Zahlung genommen die mir einfach zu schwer war. Es war aber wirklich eine gut klingende Strat. Ich hatte sie in Ebay KA angeboten und keiner schaute wirklich danach. Dann habe ich sie so richtig heftig "altern lassen"! (Ich kann das, mache das aber nicht mehr) Sah wirklich gut verranzt aus. Sie brachte den offiziellen VK x 3! :o

Nehmen wir mal 7 SC Gitarren. Da sieht man ja fast nur noch Relics. Der Masterbuilder stellt fest das die schwarze Strat aus besten Zutaten zwar scheiße klingt aber eben nach dem Relic-Job einfach nur atemberaubend aussieht und von Claptons alter Blackie fast nicht zu unterscheiden ist. Die Kunden kloppen sich da draußen drum weil sie von Masterbuilder Dingenskirchen gebaut wurde. Und ich könnte meinen Allerwertesten verwetten das zumindest das Grand der Käuferschicht da draußen nicht mal merkt was für eine Gurke das ist. Schon oft selbst festgestellt und gewundert :roll: Man fragte mich kürzlich ob ich nicht als 'Begutachter' mitgehen würde zum Kauf einer 7 Strat. Da bin ich immer dafür zu haben. Wir haben knapp 10 Strats durchgespielt und bei einer im mittleren Preissegment zogen sich meine Mundwinkel immer nach oben. Toller Sound! Aber der Blick ging zu zwei CS Strats die wirklich toll aussahen, mich aber tonal eher enttäuschten. Dies hatte ich auch genau so vermittelt, aber es war ihm egal. Hätte ich auch zuhause bleiben können! Ich muss nicht weitererzählen, es wurde halt eine davon. Kostete 3x soviel wie die wirklich gutklingende, aber normale Strat von der Stange. Genau diese lies ich aber (vor)reservieren für einen Kumpel der auch ne gute nicht all zu teure Strat suchte. Der ist jetzt mehr als glücklich zumal ich auch noch richtig gut handeln konnte für ihn.
Bild

STOMPIN' HEAT Rough Blues made in germany
Benutzeravatar
Magman
 
Beiträge: 9591
Registriert: Montag 13. Oktober 2014, 17:17

Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Chris_1981 » Samstag 7. März 2015, 19:12

Ich baue gerne Gitarren um. Und mir gefällt Relic. Das macht es viel einfacher.

Ich habe keine Professionelle Lackierkabine, keine Schwabbel, meist Dosenlack. Eine Fehlerfreie Hochglanzoberfläche hab ich selbst mit 1000 angeschauten Tutorials nicht geschafft. Ich müsste das mal von einem Profi sehen. Also werden meine Gitarren immer Relic. Um den Pfusch zu verdecken. Funktioniert einwandfrei. :D
Benutzeravatar
Chris_1981
 
Beiträge: 561
Registriert: Dienstag 21. Oktober 2014, 19:16

Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Wizard » Samstag 7. März 2015, 19:40

Magman hat geschrieben: Also versteckt sich hinter Relic auch Mangel? Bei einer Relic muss ich ja nicht so aufpassen, da kommt es nicht drauf an perfekt zu sein, sondern es muss alt und gebraucht aussehen.

Also bei einer teuren Relic von Fender wohl nicht. Die haben ja schließlich das Relicing groß gemacht und wollen sich ihren Status auf diesem
Gebiet nicht kaputt machen. Deshalb würde ich mir von denen jederzeit wieder eine kaufen. Hatte ja die Gilmour Relic.

Heutzutage würde mich light statt heavy relic interessieren. Und was heißt hier "würde" - ich bin voll geil auf so'n Teil, mal etwas plump gesagt :sabber: :boing01:
Gruß Peter

immer noch aktuell: >>> leben und leben lassen <<<
Benutzeravatar
Wizard
 
Beiträge: 3738
Registriert: Dienstag 21. Oktober 2014, 19:08
Wohnort: Düsseldorf

Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Duke » Sonntag 8. März 2015, 13:52

Konnte mal eine Haar Thinline Tele vor und nach dem relicen spielen.
Der Unterschied (bei der Gitarre) war erheblich.
Vorher relativ nichtsagend, danach eine IMO brauchbare Gitarre mit anderer Haptik aber halt auch anderer Tonentfaltung.
In Summe deutlich entspannter, stimmiger und natürlicher vom Sound her und vom Spielgefühl.

In Köln gibt es so nen Typen der aus billigst Einzelteilen (normale Lacke, keine besondere Holzqualität) Relics zaubert, die was haben. Denke das ist tierisch viel Arbeit, die Gitarren so aussehen zu lassen, wie sie es tun.
Tonal sind die Gitarren super. Konnte zwei von den Teilen spielen, beide waren erste Sahne (eine Strat und eine Tele). Der Materialwert der Gitarren lag maximal bei 350,- Euro und sie spielen locker auch im Vergleich zu sehr guten F-Relics mit. :kopf_kratz01:

Dann meine Strat. In einem Nachbarforum hat die mal ein Stratshootout gewonnen und das waren sehr sehr geile andere Strats mit am Start.
Finde so ein Shootout zwar immer fraglich, aber das ist eine andere Sache. :undwech:
Die Strat ist zwar zu 100% so, wie eine alte Strat sein soll / muss, ist aber nicht geaged, d. h. sie hat keinerlei Lackrisse. Klar, ein, zwei Dongs hab ich ihr selber reimgedengelt. :oops:
Ich würde den Teufel tun und da irgendwas zu verändern bzw. zu verbessern. Kann sein, dass sie noch besser wird, wenn sie ein paar Lackrisse bekommt (wird sie auf die Dauer sicherlich).
Wahrscheinlicher ist, dass sie einfach anders sein wird und dieser Veränderung hoffentlich so langsam von statten geht, dass ich es gar nicht bemerke.

Aktuell spiele ich die Gitarre aber so selten, dass ich es ohnehin nicht merken würde.
Irgendwie ist die Strat-Zeit bei mir vorüber. Wenn sich das mal ändern sollte, hol ich sie quasi als NOS aus dem Schrank... :lol02:
LG
Uwe
Gear: Realguitars Strat/Tele/Paula, Washburn J6, Martin Nylon, Reg'n Akustik, 7-Preci, Höfner Beatles, Baldringer Amp + DD, Celestion G12H30, Jensen Blackbird, Weber 10'' Alnico (2x10 Valdez), Dunlop Echoplex, Bluguitar Blubox, Andreas SoT, AX8
Benutzeravatar
Duke
 
Beiträge: 1217
Registriert: Samstag 1. November 2014, 14:48
Wohnort: Düsseldorf

Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Mintage » Montag 9. März 2015, 10:43

Wenn man bedenkt, das die Relic-Idee vom Richard Keith ausging und nicht von Fender, dann haben die das verkaufstechnisch Optimale daraus gemacht... ;)

Als ich meine erste "gute" Gitarre zusammengespart hatte, habe ich diese gehütet wie meinen Augapfel - jedweder Kratzer (auch nur oberflächlich beim Spiegeln sehend) hätte geschmerzt, der "Schatz" wäre entweiht worden ...!
So gesehen sieht meine 87er American Standard Strat von vorne (!) heute noch neuwertig aus.
Auf der Rückseite jedoch haben sich besagte Oberflächenkratzer automatisch durch das langjährige Spielen ergeben. Und das nervt mich auch bei meinen Lieblings-Gitarren längst nicht mehr, da es sich eben um "Relicen-durch-Spielen-onstage" handelt.

Neben der Musik bin ich auch in der Oldtimer/Youngtimer-Szene unterwegs - und da gilt nur eines: der bestmögliche technische u. optische (!) Erhaltungszustand. Das "Aging" hatte dort keine Chance!

So gesehen ähnelt dieser Relic-Wahn der Mode-Branche, die ja auch vor Jahren die "kaputte" stonewashed-Hose entdeckte... ;)

Ich interpretiere den Erfolg der Relic-Modelle u.a. dadurch, das ganz viele "geschniegelte" Jungs mit dem Kauf dieser optisch verranzten Gitarren glauben, das sie damit eben doch "echte Rock´n´Roller sind - das war mein Eindruck während meiner Tätigkeit in der Instrumenten-Branche.

Das die Gitarren anders klingen als die Serien-Teile ist unbestritten, aber das liegt nicht unbedingt am Alterungsprozess ;)
Mintage
 
Beiträge: 912
Registriert: Samstag 7. März 2015, 14:50

Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon SilviaGold » Montag 9. März 2015, 11:40

Mintage hat geschrieben:...
Das die Gitarren anders klingen als die Serien-Teile ist unbestritten, aber das liegt nicht unbedingt am Alterungsprozess ;)


Kurz Nachgefragt:
Woran liegt es denn Deiner Meinung nach das die anders klingen,ausser daran das der Lack evtl dünner ist?
"Normal"Seriengitarren haben ja auch eine Streuung wie zB "Aged"Seriengitarren, oder welche Modelle meinst du im Besonderen?
electriclove.bplaced.net
Benutzeravatar
SilviaGold
 
Beiträge: 3421
Registriert: Donnerstag 16. Oktober 2014, 16:29
Wohnort: Bochum

Re: Gitarrenbau, Relic und Qualität

Beitragvon Bencaster » Montag 9. März 2015, 11:54

Wizard hat geschrieben:
Heutzutage würde mich light statt heavy relic interessieren.


....dann kannst du dich schon mal auf die neue "Journeyman"-Serie von 7 freuen. Die wird nämlich genau das liefern :thumbs:
Gruß
PLAY LOUD
Benutzeravatar
Bencaster
 
Beiträge: 183
Registriert: Mittwoch 22. Oktober 2014, 06:36

VorherigeNächste

Zurück zu E-Gitarre

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron

x