Vintage

Alles über Stromruder

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Beitragvon Diet » Freitag 22. Mai 2015, 23:12

Hallöle,

Mal ein Gedankenspiel, dass mich interessiert:

Wenn ihr z.B. eine Tele/Strat/Les Paul aus der ersten Hälfte der 60iger in den Händen habt und spielt…

Wenn ihr z.B. eine Tele/Strat/Les Paul aus der ersten Hälfte der 90iger in den Händen habt und spielt…

Ist da ein Unterschied nicht zu vermeiden?
Wenn ja, warum?

Gruß Diet
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Re: Vintage

Beitragvon Magman » Samstag 23. Mai 2015, 00:04

Nun Dieter,

damit hatte ich mich selbst auch schon mal befasst. Was ist das besondere an den alten Teilen? Vor ein paar Jahren noch hätte ich mich wenn ich das Geld gehabt hätte in Unkosten gestürzt und mir ne alte Strat oder Tele gekauft. Warum? Naja, erst mal eben weil ich weiß das sie alt ist und genügend Mojo hat. Dann weil wenn sie ordentlich gespielt worden ist ein wunderschönes Patina hat und ich immer noch darauf stehe.
Tja und heute? Heute weiß ich das wenn eine gute Gitarre gut gebaut wurde genau so gut wenn nicht sogar um einiges besser sein kann als so ein altes Original. Ich hatte im Maintal bei Guitarpoint glaube ich alle Tellis in Händen. Von den ganz alten hat mich keine so wirklich begeistert. Nicht von der Optik, die war teils atemberaubend. Nein eher vom Tone und der Tonentfaltung her. Da waren gute Gitarren dabei, aber keine die mich nervös machte. Eine einzige 69er war es die mich dann doch schwer beschäftigte, aber die war mir entschieden zu teuer. Zuhause angekommen zeigte sich das ich ne verdammt gute neue Telli besitze die dort zumindest für mich die meisten Tellis hinter sich anstellen würde, ganz egal wie alt sie sind und was sie kosten.

Vintage spielt sich sehr stark im Kopf ab, aber es ist auch ein schönes Gefühl, besonders schön wenn man eines dieser ganz alten Instrumente in seinem Besitz hat ;)
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Re: Vintage

Beitragvon MonacoFranke » Samstag 23. Mai 2015, 04:10

Hallo Diet,

Ich muss gestehen, dass ich mich noch nicht lange mit dem Thema Vintage beschäftige. Meine Erfahrungen beschränken sich auf eine End-50iger Strat und eine End-60iger Tele, beides tolle Gitarren.

Aber ich sehe es ähnlich wie Martin, es gibt für weniger Geld aktuell mindestens gleichwertige Gitarren in Sound und Qualität. Bei Vintage spielt immer auch Mojo und Sammelleidenschaft mit. Ich halte das durchaus für legitim, aber aus rein musikalischer Sicht nicht für notwendig.

Es gibt unzählige Gitarristen, auch im Profigeschäft, die mit neuen Gitarren richtig gut klingen. Am Material kann es also nicht liegen.

Beste Grüße
Frank
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Re: Vintage

Beitragvon M. L. Schwan » Samstag 23. Mai 2015, 10:40

Hallo,
ich habe noch nicht viele Vintage Instrumente in der Hand gehabt, aber allen war gemeinsam, dass sie sich in den Händen gut anfühlten.
Das Berühren der Hälse fühlte sich ein wenig an wie ein alter, gebrauchter Besenstil (jetzt aber im positiven Sinne).
(Meine SQ Strat von 1985 fühlt sich übrigens auch schon so an.)
Klanglich gab es bei diesen Vintagegitarren für mich allerdings kein Aha-Erlebnis und von der Bespielbarkeit waren diese Exemplare eher schlechter.
Viele Grüße
- Der Schwan -
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Re: Vintage

Beitragvon SHBRainer » Samstag 23. Mai 2015, 11:24

Von den hochgelobten Vintage Prügeln die ich in der Hand hatte, hatte keine einzige mich überzeugt (und da waren einige "Sabberstücke" auch aus prominentem Besitz dabei). Bei der Auswahl meiner Gitarren nehme ich mir viel Zeit und die Besten waren definitiv "Fabrikfrisch" und haben sich bei mir so entwickelt wie ich es mir vorgestellt habe. Nie und nimmer würde ich Geld für Mojo ausgeben.
Gruß, Rainer
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Re: Vintage

Beitragvon Roger X » Samstag 23. Mai 2015, 11:53

Hi,
längere Zeit her:
Ein Freund lieh mir seine 56er Les Paul Goldtop für ein Jahr (die mit den P 90)
Eine unglaubliche gute Gitarre, ich würde sagen, 20% besser als eine Customshop LP wie sie jetzt gebaut werden.
Nach einem Jahr wollte er sie verkaufen, leider konnte ich sie mir nicht leisten (hätte ich doch einen Kredit aufgenommen :mad01: )
1994 kaufte ich mir eine LP Standard neu, sie war gut, kam aber an das alte Schätzchen bei weitem nicht ran.

Seit einiger Zeit habe ich eine Strat von 64 zur Pflege, der Besitzer hat sie mir als Dauer-Leihgabe überlassen.
Sie klingt toll, ist etwas zickig zu spielen, aber die Bandkollegen kriegen immer leuchtende Augen, wenn ich sie zu einer Probe mitbringe.
Ich würde den Unterschied zu meiner Standard-Strat ( 10 Jahre alt ) mit etwa 15% besser werten.
Wäre ich Profimusiker, würde ich mich schon bemühen, einige alte Gitarren aufzutun.

Schöne Pfingsten an Alle :mosh:

roger
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Re: Vintage

Beitragvon Batz Benzer » Samstag 23. Mai 2015, 12:11

Ich möchte das Thema gerne etwas nüchterner betrachten:

Ich glaube, wir alle assoziieren mit Vintage-Instrumenten bestimme Eigenschaften. Diese müssen allerdings nicht zwingend bei alten Instrumenten vorliegen; es gibt eben auch einfach nicht so gute und schechte alte Prügel. Ebenso kann es meiner Erfahrung nach jüngere Instrumente mit eben jenen Eigenschaften geben.

Alte Instrumente sind auch nicht besser verarbeitet oder bestehen aus grundsätzlich besseren Komponenten. Diejenigen, die heute noch "frei" sind, sind wahrscheinlich nicht die besten ihrer jeweiligen Jahrgänge - die sind nämlich bereits in festen Händen. Oder sie kosten atemberaubend viel Geld - das spielt dann nicht mehr in meiner Liga, so dass ich mir diesbezüglich keinerlei Gedanken machen muss.

Kommen wir zu Deiner Ausgangsfrage zurück, Diet:

Wenn ihr z.B. eine Tele/Strat/Les Paul aus der ersten Hälfte der 60iger in den Händen habt und spielt…

Wenn ihr z.B. eine Tele/Strat/Les Paul aus der ersten Hälfte der 90iger in den Händen habt und spielt…


... dann kommt es in beiden Fällen auf das Spielgefühl und die Klangausbeute an, und nicht auf die Herkunft per se. Beides könnten gute, mittelmäßige oder schlechte Instrumente sein.

Ich assoziiere zwar im Vorfeld bestimmte Eigenschaften mit Instrumenten aus 60er oder 90er Jahren, aber ob das dann am Ende zutrifft, kann ich nicht aufgrund des Alters bestimmen; ich muss die Paddel dafür spielen.

Ich habe das große Glück, eine Tele und zwei Strats zu besitzen, die für mich all die positiven Eigenschaften guter alter Gitarren besitzen - und dennoch aus dem Hier und Jetzt stammen. Ferner habe ich zwei Paulas, die das machen, was ich möchte - wenngleich ich mir hier tatsächlich Steigerungen nach oben vorstellen kann, aber nicht die Notwendigkeit dazu verspüre. Meine beiden Gretsches versprühen überhaupt keinen Vintage-Charme - klingen aber großartig und sind perfekt verarbeitet; daher habe ich hier auch keinen Bedarf, was zu ändern.

Eines ist mir jedenfalls aufgefallen: Gute Instrumente sind m.E. sehr gute Wärmeleiter, was daran liegt, dass die Hölzer trocken sind. Berührt man das Holz, hat man das Gefühl, es sei warm - so ähnlich wie von der Sonne ausgetrocknetes Holz auf einem Kinderspielplatz; das fühlt sich ähnlich an und riecht witzigerweise auch gleich.

Analog zum Cryo-Tuning konnte ich noch eine Beobachtung in meiner Zeit im Musikalienhandel machen (heiß und kalt sind ja grundsätzlich dieselbe Kraft, wirken nur in unterschiedliche Richtung): Wann immer ein Instrument im Sommer lange im Fenster gestanden hat, klang es deutlichst besser! - Ich würde daher immer eher den Weg der Wärme statt der Kälte wählen, um ein Instrument nach meinen Vorstellungen zu prägen; zumal ich die Ergebnisse beim Cryo-Tuning wahrnehmbar finde, aber eher negativ bewerten würde.
Lieben Gruß,

Batz. :smoke01:
"Lennon was the soul of the Beatles, Harrison was the spirit, Paul was the heart, and Ringo was the drummer."

- George Martin
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Re: Vintage

Beitragvon Fantomas » Samstag 23. Mai 2015, 12:40

Wer glaubt alte Instrumente, 50er 60er klängen besser, sollte sich bei einem kauf sehr gut mit der Materie auskennen.Wer wegen dem "Charme" einer solchen Gitarre/Bass feuchtes Höschen kriegt läuft sonst Gefahr viel Geld in den Sand zu setzen.

Zu achten ist zuerst auf die Saitenlage: Spielt sie sich durchgehend gut ohne zu schnarren?
Klingt sie in den oberen Registern sauber? Ist der Hals gerade? Sind ab dem 12. Bund oft verbogen. Stahlstab in beide Richtungen einstellbar?
Ist das Griffbrett breit genug? Alte Gitarren haben oft schmale Griffbretter , die e-Saite liegt viel zu nah am Rand, die Saite rutscht vom Griffbrett. Eine 69er Strat hat z.B. eine Sattelbreite von nur 39 mm. Das ist extrem schmal.

Oft sind sie auch durch viele Bundierungen an den Kanten schon ganz rund gedengelt, man hat keine vernünftige Griffbrettfläche.

Stimmt die Hals/Body Geometrie? Hat man früher nicht so drauf geachtet. Dann ist der Steg schon ganz runtergeschraubt und die Saitenlage ist immer noch zu hoch.

Bei Schraubhälsen kann man shimmen, bei set neck ist Essig... Gibson EB 3 Bass, Rickenbacker 4001: Vorsicht!

Sind die Mechaniken in Ordnung? Oft sind sie ausgenudelt, verbogen, halten die Stimmung nicht.

Wichtig: Gehen auch alle Pickups? Mal mit ein Stück Metall vorsichtig draufklopfen. Es muß ein "Pock-Pock" kommen.
Bei Gibsons: Hatte sie schon mal ein Headcrack? Wurde diese sauber repariert?

Wenn die Substanz also allen diesen Fragen standhält , hören wie sie klingt. Da schummeln sich viele in die eigene Tasche. Ich habe ja öfter alte Gitarren auf der Werkbank, und die Dinger sind eine einzige Baustelle und der Klang ist Durchschnitt.

X "Fachleute" haben im laufe der Zeit "Reparaturen" dran ausgeführt. Gut, hat auch sein Gutes: Ich kann gut daran verdienen... :muahaha:


die Gitarren ab den 80ern haben qualitativ die Nase vorn. Allein schon ,weil die Japaner Gitarren auf einem neuem Niveau gebaut haben: Ibanez, Yamaha, Aria, Tokai, Burny, alle sehr gut gemacht!

Und auch Fender hat ab 82 einen Sprung nach vorne gemacht.

Ihr wisst, letztens hatte ich eine Silverstone von 1951 hier. die Klang wirklich gut.
Sie sollte 1200.- kosten. ein preis den ich für so ein Schätzchen angemessen finde, zumal es dem Kunden sehr gefiel...

Mein Fazit: man sollte sich eine Gitarre kaufen, nicht weil sie ALT ist, sondern weil sie GUT ist.

Ede
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Re: Vintage

Beitragvon Wizard » Samstag 23. Mai 2015, 12:59

Thanx, Ede. Deinen Artikel würde ich mal als ein ganz besonderes Ballastwissen bezeichnen. Sollte man sich ausdrucken und einrahmen lassen :thumbsup03:

Übrigens komme ich demnächst nochmal auf dich zu wegen diesem Inlay an der Les Paul, you know. Können ja dann einen Termin vereinbaren.
Gruß Peter

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Re: Vintage

Beitragvon Diet » Samstag 23. Mai 2015, 13:26

Hi Leute,

das klingt bei allen abgeklärt und vernünftig! So, wie es wohl auch sein sollte.
Ich wollte aber keinen "Vintage ja/nein, gut/schlecht" Thread eröffnen.
Das Thema bringt so nichts, ich glaube, das wissen wir alle.

Mich interessiert das eher Unbewusste oder so, das bei Euch da abgeht, oder eben nicht :) .

Ich halte mich zwar auch für eher abgeklärt in der Sache, aber trotzdem hab ich für eine alte "Vintage" Klampfe
von Anfang an mehr Wohlwollen, Interesse und Neugier. Da gibt es wohl unbewusst schon mal den einen oder anderen
Pluspunkt vorneweg. Hängt im Laden z.B. eine optisch gleiche neue Tele neben einer alten, dann greif ich mir erst die Ältere.

Ganz so frei von Vintagewahn bin ich wohl nicht, wenn ich mal ganz ehrlich in mich reinhorche.
Ich bin mir ganz sicher, dass die alten Gitarren nicht zwangsläufig besser sind. Absolut.
Aber trotzdem... :kopf_kratz01:

Vielleicht sollte ich das einfach unter Leidenschaft abbuchen. :banana03:

Gruß Diet
Zuletzt geändert von Diet am Mittwoch 27. Mai 2015, 21:42, insgesamt 1-mal geändert.
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